Gut besucht: Die „Kunst im Kern“ überwältigt

Gut besucht : Die „Kunst im Kern“ überwältigt

Ganze 40 Seiten stark war das Programmheft für die Veranstaltung in der Willicher City. Besucher hatten die Qual der Wahl.

. Die dritte Ausgabe von „Kunst im Kern“ war noch größer und noch etwas besser besucht als die beiden Veranstaltungen zuvor. Das dürfte am Wetter, an dem ebenso bunten wie prallen Programm, vor allem aber an der Einweihung des Marktplatzes gelegen haben. Die Aktion erstreckte sich bis zum Kaiserplatz. Dort fiel das begehbare Gehirn, gestaltet von Beate Krempe, schon von weitem ins Auge. Taschentücher mit Knoten, alte Fotos, die im „Gehirn“ hingen, machten deutlich, dass es um Erinnerungen ging.

Das ist eigentlich die Domäne von Erich Schützendorf, der diesmal aber nicht über Demenz, sondern über Inkontinenz aufklärte. Als Blickfang dienten zwei großformatige Bilder, die Beate Krempe und Waleed Ibrahim gemalt hatten. Das graue Bild, auf dem eine Stadt zu sehen ist, steht für die Probleme der Menschen mit Inkontinenz: Wo ist hier eine Toilette, die man auf die Schnelle aufsuchen kann?

Die Bilderverkäufe liefen
höchst unterschiedlich

Im Rathaus stellte die Künstlergruppe „De Spaßmaler“ unter der Leitung von Myriam Pieper aus. Viele Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen. Es war fast überall voll, aber nicht alle Akteure waren zufrieden. Burckhard Freihoff von der Künstlergilde Neersen hatte großformatige Werke verschiedener Künstler auf der Peterstraße auf den Boden gelegt. Gegen eine Spende für die Schiefbahner Hubertusschule sollten sie den Besitzer wechseln. Leider wollte die Bilder niemand haben. In der Geschäftsstelle der Stadtwerke agierte der Willicher Kunstverein schon erfolgreicher: Interessenten hatten sich in eine Liste eingetragen, wollten Bilder ersteigern, die Bürger gemalt hatten und die von der Viersener Künstlerin Rieke Oetzel „überarbeitet“ worden waren.

Siggi Dämkes schneidet
seine Kunstwerke aus Metall

Das einzige Problem von „Kunst im Kern“ war das fast schon zu umfangreiche Angebot, die Broschüre, die alle Aktionen enthielt, war 40 Seiten stark. Was wollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen? Viele Geschäfte wurden zu Galerien, in der Passage an der Kreuzstraße 1 präsentierten Peter Wynands und Udo Holzenthal eine Ausstellung. Auf der Bahnstraße zeigte Siggi Dämkes Metallobjekte, die mit Schneidbrenner und Plasmaschneider entstanden waren. In der Kunstschmiede Blassen verwandelte die Neersener Künstlerin den Körper der Düsseldorferin Alina mit Pinsel, Farbe, Schwamm und Airbrush in ein Kunstwerk.

Die Fans warteten schon ungeduldig auf den Auftritt von Jochen Contzen, der „Blues vom Feinsten“ bot, sich aber wegen technischer Probleme verzögerte. Musik war eine tragende Säule von „Kunst im Kern“ mit zahlreichen Akteuren, ebenso die Literatur. Marcell Feldberg las Lyrik rund um Leben und Trauer Nicht ganz leicht zu finden war das Atelier von Martina Stall, die sich nach ihrer Arbeit als Technische Beigeordnete der Malerei widmet. Was beeindruckte: Die enorme Vielfalt und die Qualität dessen, was da über Stunden gezeigt und geboten wurde. Das alles ist Willich.

Mehr von Westdeutsche Zeitung