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Neue Mieter können in der Küche kegeln

Neue Mieter können in der Küche kegeln

Sieben Wohnparteien beherbergt der Leuther Hof. Eine kann sich über eine Kegelbahn freuen.

Leuth. Die Namen der künftigen Bewohner stehen größtenteils schon auf den Klingelschildchen: Bis auf eine hat Karim Lazrak schon alle der insgesamt sieben Wohnungen in dem früheren Restaurant Leuther Hof an der Heronger Straße vermietet. Der IT-Spezialist und Immobilienentwickler hat bereits Interessenten für das 152 Quadratmeter große „Filetstück“, doch lässt er sich mit der Auswahl Zeit — „weil sie alle zueinander passen müssen“, erklärt er. Einmalig ist eine Wohnung mit einer angeschlossenen Kegelbahn, die bereits vermietet ist. Von der Küche aus kann der Bewohner demnächst „alle Neune“ werfen. „Wir haben die Kegelbahn erhalten, weil sie charakteristisch für das Haus ist“, erklärt Lazrak.

Der gebürtige Marokkaner, der seit mehr als zwei Jahrzehnten IT-Lösungen für medizinische Einrichtungen erarbeitet, hat ein Faible für Historisches. Um den Charme des Gebäudes zu bewahren, blieb die alte Eingangstür erhalten. „Drei Tage lang hat einer daran gearbeitet“, erzählt Lazrak. Auch Stuckverzierung an der Decke im Flur wurde renoviert. Holzböden sind an einigen Stellen ausgebessert und ergänzt worden, eine neue Eichentreppe führt vom ersten Geschoss unters Dach, wo eine Wohnung mit kleiner Loggia entstand. Wo kein Holz lag, wurden Vinylböden verlegt; in zwei Dachzimmern sind sie besonders geräuschdämmend, „wie in Tonstudios“, sagt Lazrak. Die ersten Mieter ziehen in diesen Tagen ein, denn „wir sind sozusagen fertig“.

Vier Wohnungen sind von der Heronger Straße her erreichbar, drei vom Hof aus über zwei neue Eingänge. Der ehemalige Wintergarten des Restaurants blieb erhalten. „Hier können die Bewohner gemeinsam feiern und sich zusammen die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft anschauen“, sagt er. Parkplätze werden an der Heronger Straße entlang der Kegelbahn angelegt, allerdings nicht in der ganzen Länge, denn der Kegelbahnbewohner erhält noch einen kleinen Garten in der Ecke.

Lazrak und sein Geschäftspartner Kai Langheim (Cludis GmbH) hatten das Anwesen 2016 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Der Bauernhof mit Geschäftsstelle der einstigen Spar- und Darlehnskasse Leuth hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach zu einem Restaurant entwickelt, zu dem zwei Kegelbahnen gehörten. Als die Besitzerfamilie Lenßen in eine finanzielle Krise geriet, wurde eine Bahn, die in die ehemalige Scheune hineingebaut worden war, stillgelegt und abgebrochen, sodass dort ein Wohnhaus entstehen konnte.

Im Rest des Gartens soll nun ein weiteres Wohnhaus entstehen. Von der einst bäuerlichen Nutzung wird nichts mehr übrig bleiben.