Kaum Misstöne bei Enthüllung der „Zirbel“

Kaum Misstöne bei Enthüllung der „Zirbel“

Künstler diskutierte mit den Besuchern. Laute Kritik an der Skulptur hörte man diesmal nicht.

Viersen. „Ich freue mich auf lebhafte Diskussionen rund um die Kunst“, sagte Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) während der Übergabe der „Zirbel“, einer neuen Skulptur für den Skulpturenpark Viersen, die im Vorfeld schon mit einiger Kritik bedacht worden war. Anemüller betonte die Internationalität der Skulpturensammlung: „Die tut der Stadt gut“. Die Kulturstrolche der Körnerschule hatten die Aufgabe, die mit einem roten Samttuch und dicken weißen Schleifen verpackte Skulptur von Gereon Krebber auszupacken. Darin stecken drei Jahre Planung und Arbeit.

Laute Kritik hörte man am Sonntag rund um die Galerie nicht. Vielleicht durch die Worte des Künstlers besänftigt, vielleicht aber auch ein wenig überzeugt von der ungewöhnlichen und nicht bis ins Letzte verständlichen Form der Arbeit von Krebber, Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Gegenteil: „Wie gut die hierhin passt“, sagte jemand. Oder: „Endlich mal eine andere Art von Skulptur.“ Kritik wurde leise laut an der Interpretation der vortragenden Kunsthistorikerin: „Als ob der Künstler da so viel drüber nachgedacht hätte.“

Von vermeintlicher Geldverschwendung und der Nähe zu Dinosaurierkot hörte man nichts. Diesen emotional gefärbten Kritikpunkten hatte Krebber „den Stöpsel gezogen“, wie es eine Besucherin witzig formulierte. Als letzter Redner trat er vor die gut 150 Gäste. Unaufgeregt und humorvoll berichtete er von den vergangenen drei Jahren und der Arbeit an der Zirbel. Am Ende, so Krebber, stehe er da und denke: „Hab’ ich das gemacht?“ Verblüffend sein Kommentar: „Befremdung, die gibt es auch bei mir, nicht nur bei Ihnen.“ Befremdung sei legitim.

Krebber ist keiner, der verlangt, dass der Betrachter allem zustimmen müsse. Er berichtete freimütig von seinen eigenen Schwierigkeiten, für einen Ort, an dem sein großer Lehrer Anthony Cragg in Form der „Wirbelsäule“ so nah sei, eine Skulptur zu entwickeln. Anne Schloen, Kölner Kunsthistorikerin und Kuratorin, verwies auf die extreme Vielfältigkeit der Skulpturen Gereon Krebbers, der seine trivialen Stoffe aus dem Baumarkt beziehe. Er untersuche das Potenzial der Materialien und verwandle sie. Krebber störe das Gewohnte. „Der Betrachter wird auf sich selbst zurückgeworfen. Seine eigenen Assoziationen sind gefragt.“ Vielleicht ist das das Grundproblem bei der Betrachtung und Bewertung der zeitgenössischen Skulptur.

Dass die Zirbel nach Ansicht des Philosophen Descartes der Sitz der Seele sei, griff Albert Pauly in seiner Rede auf: „Endlich hat die Skulpturensammlung eine Seele“, sagte er mit Schmunzeln. Er verwies darauf, dass die Kosten aus Spenden, Mittel des Heimatvereins und Zuschüssen der Viersener Sparkassenstiftung gedeckt seien.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie im Park ist bis zum 22. Juli dienstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

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