Wülfrath: Menschen - „Beifall tut unheimlich gut“

Wülfrath: Menschen - „Beifall tut unheimlich gut“

Rudi Meyer feiert Freitag seinen 80.Geburtstag. Er ist Vize-Dirigent beim Sängerkreis und im Liederkranz Neviges.

Wülfrath. Er lebt Musik. Wenn er spricht, fliegen die Arme durch die Luft - als würde er dirigieren. Dirigieren kann er. Und das seit mehr als 40 Jahren. Am Freitag wird er 80 Jahre alt: Rudi Meyer - Vize-Dirigent beim MGV Sängerkreis und beim Liederkranz Neviges. Herzlichen Glückwunsch, Rudi meyer!

Ein Nevigeser in Wülfrath: 1948 ist Meyer in die Kalkstadt gezogen. Über seine Kindheit möchte er nicht viel erzählen. "Hier hatte ich das Gefühl, alles erreichen zu können", sagt er. Und so hat er mit seiner Frau Uschi in Wülf-

rath eine Familie gegründet, zu der Freitag zwei Söhne (43 und 45 Jahre) und vier Enkel zählen. Beruflich hatte er seine Heimat bei der Firma Tiefental gefunden, bei der er zuletzt Versandleiter war. Musikalisch ist er zweigleisig gefahren - beim MGV Sängerkreis und im Liederkranz.

"Wülfrath ist mein Stammverein", sagt er. 1959 ist er dort eingetreten, 1965 in den Nevigeser Chor. 1969 hat er sich zum Vize-Dirigenten ausbilden lassen. Der Sängerkreis Niederberg hat sein Engagement mit der Ehrennadel ausgezeichnet. Oder: "Master of the voice fork" - der Meister der Stimmgabel: Diesen Titel gab es für Meyer nach einem Trip in die USA mit dem Liederkranz.

Mehr als nur Freude am Gesang - das bedeutet für Meyer die Mitgliedschaft in einem Chor. "Natürlich geht es auch um die Pflege des deutschen Liedguts. Aber am schönsten und am wichtigsten sind die Erfolge, die man feiert, und die Geselligkeit", sagt Meyer im WZ-Gespräch. Er erinnert sich an viele Momente, die ihn auch im Nachhinein begeistern und berühren.

Als bestechender 2. Tenor war Meyer auch als Sänger gefragt, der mit seinen Solo-Partien immer wieder zu überzeugen verstand.

Für ihn unvergesslich: "Im Dom von Oslo habe ich das ,Gnädig, barmherzig’ gesungen. Unvorstellbar!", gerät er immer noch ins Schwärmen von der Atmosphäre. Jeder Auftritt - egal ob als Solist, einfaches Chormitglied oder Dirigent - sei speziell. "War es schön, und es gibt hinterher Schulterklopfen und Beifall, tut es unheimlich gut."

Meyer strahlt, wenn er davon erzählt - von Leistungssingen, von Meisterchorsingen, von den Reisen nach Norwegen, Nord-Irland oder Finnland. In Finnland musste er bei großen Liederkranz-Auftritten zweimal das Dirigat übernehmen. "Das macht schon stolz. Es hat alles geklappt.

Aber ich war hinterher richtig erschöpft", sagt er und lächelt. Was den Reiz des Dirigierens ausmacht? "Es reicht nicht, sich vor den Chor zu stellen und den richtigen Ton anzugeben. Du musst den Chor führen," sagt er und hebt dabei wieder seine Hände, als gebe er den nächsten Einsatz.

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