Wülfrath: Ein bisschen Abenteuer muss sein

Wülfrath: Ein bisschen Abenteuer muss sein

Wolf Keil will ein Jahr in einem Heim in Israel arbeiten.

Wülfrath. Nach dem Abi Zivildienst oder Bundeswehr? Das war Wolf Keil zu langweilig. "Wenn ich schon diese Zeit ableisten muss, will ich auch das meiste rausholen, für mich und andere", sagt der 19-jährige. Deshalb hat er sich für einen so genannten Freiwilligen Friedensdienst im Ausland entschieden.

Anfang September bricht er nach Israel auf. In Ramat HaSharon, in der Nähe von Tel Aviv, wird Wolf - zusammen mit weiteren Freiwilligen aus aller Welt - in einem Wohnheim für Autisten arbeiten. Zu seinen Aufgaben gehören die Betreuung und Pflege der Bewohner oder auch Arbeiten im Garten.

In seinem Auslandsjahr wolle er sich für Menschen mit Behinderung einsetzen und dabei andere Sichtweisen und eine andere Kultur kennen lernen, sagt der 19-Jährige. Der Aufenthalt in Israel soll damit auch zu einer Art Selbstfindung werden: "Es ist für mich eine Bedenkzeit, in der ich überlegen kann, was ich in der Zeit danach machen will."

Als Ziel hatte sich Wolf Keil erst Russland ausgesucht. Die Suche nach einer vertrauenswürdigen Organisation gestaltete sich aber schwierig: "Es gibt auch sehr viele dubiose Anbieter, bei denen man viel dazu bezahlen muss." Dann hat sich der Abiturient für ein Programm der Evangelischen Kirche im Rheinland entschieden: Auch dort muss er zunächst Spenden von 1800 Euro aufbringen, dafür werden Flug und Unterkunft organisiert und vor Ort gibt es ein Taschengeld. Eigentlich sollte er dann in einem Behindertenheim in Russland arbeiten, doch die Kirche hat das Projekt vor kurzem eingestellt. Kurzfristig wurde ihm dann der Platz in Israel vermittelt. "Natürlich schon ein Wagnis", sagt er, "aber ein bisschen Abenteuer muss eben sein."

Dass solche Pläne bei Eltern nicht gerade auf Begeisterung stoßen, verwundert nicht. "Als es hieß, dass es nach Israel gehen soll, war das erst ein Schock für mich", sagt Karin Keil. Doch der Schock habe sich mittlerweile gelegt - und auch Wolfs Mutter sieht mittlerweile die positiven Seiten des Friedensdienstes.

Wie es dem 19-Jährigen in Israel gefällt, welche Erfahrungen er sammelt und wie ihm die Arbeit im Wohnheim gefällt, davon wird Wolf Keil demnächst in der WZ berichten.

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