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Förster setzt auf heimische Baumarten

Mettmann : Die Hälfte der Buchen hat Schäden

Bei einem Rundgang erklärte Förster Marvin Stiehl die Folgen des Klimawandels im Neandertal.

Die CDU Mettmann hat sich intensiv mit den heimischen Wäldern beschäftigt. Auch ein Prüfauftrag bezüglich einer Baumpflanzaktion im Mettmanner Stadtgebiet wurde bei der letzten Ratssitzung gestellt und einstimmig angenommen.

Um sich vor Ort genauer über den Zustand des Waldes zu informieren, lud die CDU Mettmann deshalb jetzt alle interessierten Bürger zu einer Waldbegehung im Neandertal ein. Hierzu konnte Förster Marvin Stiehl gewonnen werden, der für rund 4000 Hektar Wald zuständig ist. Dieser Wald besteht zu 50 Prozent aus Privatwald, 13 Prozent Staatswald, der Rest ist Kommunalwald. „Wir werden heute im Kleinen sehen, was dem Wald schadet“, kündigte Stiehl zu Beginn der Begehung an, versicherte jedoch: „es soll kein
Katastrophentourismus werden.“ Kurz nach dem Sturmtief Sabine konnte der Förster sagen: „Sabine hat uns nicht so hart getroffen.“ Zwar sind vereinzelte Bäume umgefallen, aber es gab keine flächige Zerstörung. Zunächst ging Marvin Stiehl auf den Klimawandel ein. Die Wetteraufzeichnungen der vergangenen 100 bis 120 Jahre verzeichnen einen Temperaturanstieg von 1,7 Grad.

„Das ist eine dramatische Steigerung“, sagt Stiehl. Ersichtlich sei auch, dass sich die Zeit des Vorfrühlings mit der Haselblüte um 25 Tage nach vorne verschoben habe.

Interessiert lauschen die mehr als 20 Teilnehmer der Begehung. „Es ist interessant, was der Förster zu erzählen hat“, meint Elisabeth Piskorz, die mit ihrem Mann Horst dabei ist. „Wir sind gerne im Wald. Wir sind Camper und waren immer in der Natur.“ Waltraud Rudolph hat durch Freunde von der Waldführung erfahren. „Ich möchte hören, was mit dem Wald los ist, was für Probleme es gibt.“ Außerdem ist sie um der Wanderung selbst willen gekommen: „Mit Gleichgesinnten in der Natur sein“, das ist ihre Motivation.

Was Marvin Stiehl allerdings zu erzählen hat, ist beängstigend. „Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Anzahl der trockenen Sommer erheblich erhöht“, weiß der Förster. Überwiegend Buchen (30 Prozent) stehen in Mettmanner Wäldern. „50 Prozent der Buchenbestände zeigen Schäden“, sagt Stiehl und weist hinauf zur Krone einer Buche. „Hier sind schon alle feinen Triebe durch die Trockenheit abgestorben.“ Außerdem seien die Buchen besonders an den Waldrändern durch die starken UV-Strahlen verbrannt. Die sechs Prozent Fichten, die es im Waldgebiet gibt, sind allesamt krank. „Die werden wir alle verlieren“, meint Stiehl.

Die Buche sei im Neandertal die dominante Baumart. „Wenn ich meine Arbeit niederlegen würde, würden alle Wälder und Felder bald von Buchen besiedelt“, erklärt Stiehl.

Doch auch die Buchen haben mit dem andauernden Klimawandel zu kämpfen: „Was mich erschreckt hat, ist, dass die standortgerechten Buchen, die seit 120 Jahren hier stehen, mit den zwei Trockenjahren nicht zurechtgekommen sind“, gibt der Marvin Stiehl diesbezüglich zu bedenken. Trotzdem sieht der Förster vor allem in Buchen, aber auch Eichen, Pappeln, Eschen und Erlen die Zukunft der Mettmanner Wälder. „Wir müssen auf heimische Baumarten setzen“, ist sein Fazit.