Erkrath: „Fußgänger“ mit vier Rädern

Erkrath: „Fußgänger“ mit vier Rädern

Immer mehr Autos fahren außerhalb der zulässigen Zeiten in die Fußgängerzone. Die Polizei tut sich mit der Ahndung schwer.

Erkrath. Morgens, 9.30 Uhr auf der Bahnstraße. Der Fahrer des orangefarbenen Wagens, der als städtisches Auto zu erkennen ist, scheint mit wild blinkenden Warnleuchten auf dem Weg zu einen Notfall zu sein. Aus Richtung Sparkasse arbeitet er sich durch den dichten Fußgängerstrom vor.

Vor dem Lottogeschäft kommt der Wagen zum Stehen, der Fahrer steigt aus und bewegt sich zielstrebig auf einen Tisch vor der Bäckerei zu, an dem eine junge Frau mit zwei Kindern sitzt - der Morgenkaffee wartet.

Immer häufiger sind seit einigen Wochen Stimmen zu vernehmen, die sich über zu viele Autos und zu wenig Rücksicht in Alt-Erkraths Fußgängerzone beschweren. Der Kaffeenotfall des Stadtmitarbeiters ist da nur ein Beispiel, denn während er noch schlürft, scheucht 50 Meter weiter das schwere Lieferfahrzeug eines Paketdienstes eine Gruppe älterer Herren an den Straßenrand.

"Jetzt muss man schon in der Fußgängerzone Rücksicht auf Autos nehmen", schimpft einer von ihnen aufgebracht. Sein Begleiter, Heinz Schenker, fühlt sich schon seit längerer Zeit vom zunehmenden Verkehr in der Fußgängerzone belästigt. "Hier fahren zu viele Leute durch, die hier nichts zu suchen haben", sagt er.

Und sein Eindruck bestätigt sich. Nur zwei Minuten später hupt sich der ältere Fahrer eines Düsseldorfer Opels seinen Weg durch die Fußgänger. In nur 30Minuten fahren an diesem Vormittag mehr als 20 Fahrzeuge kreuz und quer über die Bahnstraße.

Anwohner sind kaum dabei, dafür viele Privatfahrzeuge, die aus der Gerberstraße kommend den Weg in Richtung Rathaus abkürzen oder, wie das Firmenfahrzeug eines Schornsteinfegerunternehmens, einfach schnell die Einkäufe beim Supermarkt einladen.

Ein Verstoß gegen die Verkehrsregeln, der polizeibekannt ist: "Das ist schlicht und einfach ein Fehlverhalten der Leute", sagt ein Sprecher der Erkrather Polizeiwache. In Städten wie Hilden gäbe es diese Probleme ebenso wenig wie auf dem Hochdahler Markt, der als Abkürzung wenig taugt.

"Im Januar hat der für den Bereich zuständige Bezirksbeamte an zehn Tagen Sichtkontrollen durchgeführt", sagte Peter Heffungs, der Leiter des Tiefbauamtes. Er weiß auch, dass 32 Anwohner und Gewerbetreibende im Besitz einer Genehmigung sind, die Bahnstraße zu befahren. Damit verfügen sie auch über eine Karte, den den Poller am östlichen Teil der Bahnstraße auf Wunsch versenkt.

Was aber tun gegen die, die auch schon mal am Bouleplatz vorbei auf den Bavierplatz fahren, um eben schnell ein Paket bei der Post zu deponieren? "Im Rahmen der Streifentätigkeit kontrollieren wir", sagt der Polizeisprecher. "Was helfen könnte, wären mehr Präsenz und repressive Strafen. Nur den Zeigefinger zu heben, hilft nicht."

Gegen Repression und für eine "sanfte Methode" spricht sich hingegen Ratsmitglied Marc Hildebrandt (CDU) aus. Sollte dies aber scheitern, so wolle er sich im Rat sofort für Baumaßnahmen einsetzen.

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