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Schuldenfreiheit für Monheim in Sichtweite

Schuldenfreiheit für Monheim in Sichtweite

Die Einnahmen durch die Gewerbesteuer werden in 2012 noch einmal ansteigen: Von 85 auf 150 Millionen Euro.

Monheim. Ist die für das laufende Jahr kalkulierte Gewerbesteuereinnahme der Stadt von 85 Millionen Euro ohnehin schon sehr hoch, wurde am Montagmittag bei einer Pressekonferenz im Rathaus noch nachgelegt: Nun liegt der Ansatz bei 150 Millionen Euro für 2012. 30 bis 35 Millionen Euro davon sind Nachzahlungen von Firmen, die zu niedrig kalkuliert hatten. Der Rest der zusätzlichen 65 Millionen Euro ist zusätzliche Gewerbesteuer.

„Allein die 20 größten Unternehmen hier zahlen eine Gewerbesteuer von 145 Millionen Euro. Acht Firmen wurden erstmals veranlagt“, so Bürgermeister Daniel Zimmermann. Mehr will er dazu mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht sagen.

Der Überschuss wird in diesem Jahr bei 72 Millionen Euro liegen. Dem entgegen stehen Schulden von 80 Millionen Euro. Noch — denn der Schuldenabbau soll mit Hochdruck weiter angegangen werden. „Ich denke, in drei bis vier Jahren könnte Monheim schuldenfrei sein“, schätzt der Bürgermeister.

Das heißt allerdings nicht, dass die Überschüsse nun komplett in den Schuldenabbau fließen. „Viele der etwa 30 bis 40 Kreditverträge haben längere Laufzeiten. Das ist so üblich“, erläutert Guido Krämer, Leiter der Kämmerei. Und Zimmermann betont: „Wir werden jetzt fein gegenrechnen, wo sich die Ablösung eines Kredites lohnt und wo es sinnvoller ist, Geld anzulegen. Denn bei einer Vorablösung müssen ja auch Entschädigungen bezahlt werden.“

Fakt ist: Auf der Habenseite ist nun fast schon so viel Geld wie auf der Schuldenseite. Und auch für das nächste Jahr rechnet man im Rathaus mit einem Gewerbesteueraufkommen von etwa 150 Millionen Euro — Nachzahlungen noch gar nicht inbegriffen. Der Überschuss für 2013 dürfte dann bei etwa 30 Millionen Euro liegen.

Und die beiden Jahre danach — ursprünglich mit leichten Defiziten wegen der dann voll „zuschlagenden“ Kreisumlage kalkuliert — werden ebenfalls Gewinne bringen. Der Bürgermeister geht nach derzeitigem Stand der Dinge von drei bis zehn Millionen Euro plus für 2014 und das Jahr danach aus.

Vor zwei Jahren hatte Monheim noch ein Gewerbesteueraufkommen von knapp 20 Millionen Euro. 2011 ware es dann 40 Millionen— vor allem durch Nachzahlungen. Überschüsse wurden genutzt, um den Gewerbesteuerhebesatz um ein Drittel auf 300 Prozentpunkte zu senken — der niedrigste Satz in ganz NRW.

„Das hält Monheim nicht lange durch“, sagten zum Beispiel Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider und sein Neusser Kollege Herbert Napp. „Monheim wird es durchhalten“, hielt Zimmermann vor einigen Wochen im WZ-Gespräch dagegen. Und danach sieht es nun tatsächlich aus.

Und auch, wenn keine Namen fallen: Es ist kein Zufall, wenn Bayer plötzlich die Patentabteilung nach Monheim verlagert. Der Konzern spart Millionen. In Leverkusen beträgt der Gewerbesteuerhebesatz 480 Prozentpunkte. Und da ist BASF. Der Konzern hat Cognis für Milliarden gekauft.

Der Cognis-Verwaltungssitz ist an der Rheinpromenade in Monheim. Und wie man munkelt, hat BASF gewerbesteuerträchtige Abteilungen von Ludwigshafen nach Monheim verlagert. „Ein Zufall ist es wohl nicht, dass die Kapazitäten für Büros hier plötzlich erschöpft sind. Früher gab es auch Leerstände“, schmunzelt Zimmermann.