Bürgerinitiative Locher Wiesen: „Die verkaufen uns für dumm“

Bürgerinitiative Locher Wiesen: „Die verkaufen uns für dumm“

Andreas Menzel, Sprecher der Bürgerinitiative, wundert sich über das Vorgehen von Politik und Verwaltung im Fall Locher Wiesen.

Langenfeld. „Es wird spannend“, sagt Andreas Menzel. Am 28. Juni werde es im Planungs- und Umweltausschuss um die geplante Bebauung der Locher Wiesen gehen — die Bebauung, die seiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht diskussionswürdig ist. Denn die Art und Weise, wie es zu dem Ratsbeschluss kam, auf den Wiesen Häuser bauen zu lassen, habe bei den Reusrathern viel Frust hervorgerufen — und viele Fragen offen gelassen.

Im Laufe der zehn Jahre habe es immer wieder Probleme mit Überschwemmungen auf dem Feld und vollgelaufenen Kellern gegeben. „Das Problem, dass Regenwasser wegen des Lehmbodens nicht versickert, ist seit rund 20 Jahren bekannt“, sagt Menzel, der mittlerweile Sprecher der Bürgerinitiative „Erhalt der Locher Wiesen“ ist.

Reagiert habe die Stadt aber erst im August 2011, als nach starken Regengüssen sogar die Sparkassen-Filiale unter Wasser stand. In seinem Archiv aus Zeitungsstapeln findet Menzel schnell die passende Passage: „Stadtplaner Hans-Otto Weber sagte dazu, das Problem sei bekannt, ein Bebauungsplan für dieses Areal sei aber noch nicht angestoßen worden“, fasst Menzel aus den Artikeln zusammen.

Nur mit einem Bauträger könnte das Entwässerungsproblem gelöst werden: Finde sich ein Bauträger, müsse er im Gegenzug für den Neubau eines Regenrückhaltebeckens sorgen, stellte die Stadt klar. „Das ist ein Kuhhandel“, sagt Menzel. „Die Stadt könnte es aus der eigenen Tasche zahlen. Wofür zahle ich Entwässerungsgebühren?“

Zwei Wochen später wurde das Gebiet Locher Wiesen auf der Internetseite des Bauträger Zeibig bereits eifrig beworben: „Wir gehen davon aus, dass die Grundstückskäufer ab dem dritten Quartal 2011 ihren persönlichen Traum vom eigenen Haus hier verwirklichen können“, zitiert Menzel aus seinem Archiv.

Auf Anfrage der WZ teilte Zeibig-Prokurist Jörg Frischauf am Dienstag mit: „Es gab zu jener Zeit keine Absprachen mit der Stadt. Das war schlichtweg ein Fehler unseres Geschäftsführers.“ Dieser scheide wohl schon bald aus, sei seit Beginn des Jahres nicht mehr im Haus anwesend. Zeibig stellte kurz darauf einen Antrag auf Bebauung, mit Konzepten, die im Ausschuss im September vorgestellt wurden.

Auf einer CDU-Bürgerversammlung im November 2011 sprachen sich rund 150 Reusrather gegen eine Bebauung aus. „Auch da sagte Dieter Braschoss, stellvertretender Bürgermeister, dass noch lange keine Entscheidung gefallen sei“, erinnert sich Menzel. Im November, wenige Wochen vor dem Ratsbeschluss, schließlich der nächste Schritt, der für Verwunderung sorgte.

„Das seit rund 40 Jahren bestehende Wäldchen wurde vom Grundstücksbesitzer abgeholzt“, sagt Menzel. Wie die Stadt später feststellte: ohne Genehmigung. Dabei hatte Menzel das Ordnungsamt und Dieter Braschoss auf die laufende Abholzung hingewiesen. Und auch Heike Lützenkirchen (SPD) hatte Stadtplaner Stefan Anhalt informiert. Später hieß es, bei dem Anruf sei nicht klargeworden, worum es eigentlich geht.

Andreas Menzel glaubt, mit der Abholzung seien Fakten geschaffen worden. „Der ökologische Wert liegt jetzt bei null“, sagt er. Damit falle die Bebauung leichter. „Und schließlich verschwieg man uns auch noch, dass Teile der Locher Wiesen gesetzlich geschütztes Biotop sind.“ Das schließe eine Bebauung zwar grundsätzlich nicht aus, „das Vorenthalten von Informationen“ sei aber sehr fragwürdig.

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