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Waldkindergarten: Ein Spielplatz für Waldgeister

Waldkindergarten: Ein Spielplatz für Waldgeister

Im kirchlichen Waldkindergarten erleben Kinder die Natur hautnah und ungefiltert.

Gruiten. Die Wangen sind rot, die eine oder andere Nase läuft. Sonst ist den Kindern nicht anzumerken, dass sie auf dem Waldboden und nicht auf einem flauschigen Teppich hocken. „Wir kochen“, sagt Emil und stochert mit einem Ast in einem Schneeklumpen herum. „Mit ganz viel Salz“, sagt Lara und streut den gelösten Schnee über einen Blätterhaufen, der für den heutigen Tag die Suppe darstellt. Die übereinandergestapelten Äste nennen die Kinder ihr „Waldsofa“, eine gespannte Plastikplane ist das Dach ihres „Waldrestaurants“. So kalt sei es gar nicht, winkt Sophie ab. Alle seien schließlich dick angezogen.

Seit August vergangenen Jahres besteht der Waldkindergarten unter der Trägerschaft der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Gruiten. 15 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren werden zurzeit betreut, 17 sollen es schon im August werden. „Das Angebot hat sich herumgesprochen. Die Eltern finden den Ansatz gut, dass Kinder die Natur erleben“, sagt Gabriele Vömel, die Leiterin des Kindergartens, zu dem insgesamt drei Standorte gehören.

Morgens ab 8 Uhr treffen sich die Kinder an ihrem sogenannten Stützpunkt an der Vohwinkeler Straße. Neben der Scheune der Niepenbergs haben sie ein bunt bemaltes Holzhaus bezogen. „Dort trudeln die Kinder nach und nach ein, bevor es dann gegen 9 Uhr in den Wald geht“, sagt Vömel. Und zwar bei jedem Wetter. „Bei Regen werden die Kinder nun mal auch nass“, sagt Vömel und lächelt. Zimperlich zu sein, sei den Kindern fremd. „Da können sich manche Erwachsene noch eine Scheibe von abschneiden.“

Bis zum Mittag sind die Kinder im Wald, dann treten sie den etwa einen Kilometer langen Weg zurück zum Holzhäuschen an. „Das Mittagessen wird uns zurzeit noch warm geliefert. Dadurch sind wir etwas unflexibel“, sagt Vömel. Doch das soll sich schon bald ändern.

Geplant ist der Ausbau eines Teils der benachbarten Scheune. Rund 60 Quadratmeter stünden dann zur Verfügung. „Dort wird es neben dem Gruppenraum auch einen Waschraum und eine Küche geben“, sagt Wolf Hartwig Kohte, ehemaliger Kirchmeister. 20 Plätze werde der Waldkindergarten dann anbieten. Zurzeit sei ein Architekt mit der Ausschreibung beschäftigt. „Im August könnte schon eingezogen werden“, sagt er. Nach wie vor werde das Haus aber als „Stützpunkt“ genutzt. „Die Ausrichtung als Waldkindergarten bleibt“, betont Vömel.

Die Kinder würden darauf auch nicht mehr verzichten wollen, wie es scheint. Ein Grüppchen hat sich gerade um einen Baumstamm geschart und versucht, ihn mit Sägen im Miniaturformat zu durchtrennen. An anderer Stelle werden imaginäre Pferde gestriegelt, wieder andere Kinder rutschen auf einem langen Baumstamm auf und ab. „Die Natur bietet alles, was die Kinder zum Spielen brauchen“, ist Vömel überzeugt.

Und auch, wenn der Winter mit dem Schnee sogar noch mehr „Spielzeug“ beschert hat, auf den Sommer freuen sich Emil, Lara und Sophie dann doch: „Au ja, der Sommer!“, rufen sie.