1. NRW
  2. Krefeld

Uerdinger Rheinufer als Ort für Rast, Bewirtung und Kultur

Unteres Rheinwerft in Uerdingen : Ein Ort für Rast, Bewirtung und Kultur ist gewünscht

Viele Wünsche und Vorschläge bei der Bürgerbeteiligung zum Ausbau des Unteren Werfts am Rheinufer.

Jochen Füge beugt sich noch einmal über seinen Stadtplan. Mehrere Leute sind an seinen Stand an der Uferpromenade in Uerdingen gekommen. Wenige Meter hinter ihm fließt der Rhein gemächlich vorbei. Vor ihm haben die Bürger Stellung bezogen, diktieren ihm ihre Wünsche. Füge, Geschäftsführer des beauftragten Planungsbüros Innovative Stadt- und Raumplanung (ISR), bekommt allerhand zu schreiben. Alles notiert der Stadtplaner auf seiner Karte und auf blauen Zettelchen. Die Bürger wollen mitbestimmen, was hier in der nahen Zukunft mit dem drei Hektar großen Gelände namens Unteres Werft am Uerdinger Rheinufer passieren soll.

Ihre Ideen für den 1,6 Kilometer langen ehemaligen Umschlagplatz für Frachtgüter zwischen Rheinbrücke und Klärwerk an der Rheinuferstraße sind gefragt, denn der Streifen unterhalb des Deiches soll touristisch aufgewertet werden. „Je mehr Meinung, desto weniger planen wir an den Bürgern vorbei“, sagt der anwesende Norbert Hudde, Leiter des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung, über die durchaus rege Resonanz am Donnerstagabend bei der Bürgerbeteiligung.

Im Winter sollen der Gestaltungswettbewerb und die europaweite Ausschreibung beginnen, wenn das politische Krefeld den Daumen gehoben hat. Die gesammelten Wünsche sollen Teil der Aufgabe werden.

Ein Aspekt setzt sich besonders durch: Radfahrer sollen auf dem Stück keine freie Fahrt genießen. Wenn überhaupt, dann nur mit reduzierter Geschwindigkeit. Eine Art Spielstraße ist im Gespräch. Fußgänger sollen hier ungestört flanieren und rasten können. Für sie soll es Angebote des Verweilens geben. Sitzbänke wünschen sich die Leute. Ansonsten auch eine Nutzung als Freiraum, aber das dann für alle Altersklassen. Keine reine Partyzone für das junge Volk, aber auch kein purer Rückzugsort für Senioren. Wer schnell mit dem Rad Richtung Norden und Süden kommen will, soll die Bruchstraße am Uerdinger Markt vorbei nutzen.

Aufenthaltsqualität ist eines der geflügelten Worte der Gegenwart geworden. Kein Stadtplaner kommt mehr ohne es aus. Auch für das Gelände Unteres Werft fällt es. Angebote der Bewirtung sollen entstehen, manch einer fordert auch eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder. Toiletten sollen auf dem Uerdinger Marktplatz zur Verfügung stehen. Da der schmale Streifen Flutzone bei Hochwasser ist, braucht es mobile Möblierung, die schnell abgebaut werden kann, wenn das Wasser des Rheins steigt.

Industrie-Charme des
Geländes soll erhalten bleiben

An einem weiteren Stand wünschen sich Bürger eine Beleuchtung markanter Gebäude. Außerdem, so schreibt einer, ein Ort für Kunst und Freilicht-Veranstaltungen im Sommer. Saisonal ist Gastronomie erwünscht. Der Industrie-Charme des früheren Hafengeländes soll aber nicht verschwinden, im Gegenteil: Die Geschichte soll erfahrbar werden. „Der Ort, der Uerdingen begründet“, trägt einer in die Wunschliste ein.

Am Stand, wo man seine Bitten für die Nutzung des Freiraumes eintragen kann, wird Aufenthalt auch mal ohne Konsumangebot gefordert. Die Identität des Ortes soll erhalten bleiben, das Industrie-Flair ist gemeint. „Schatten!“ schreibt jemand noch hinzu. Ein Hinweis, der an heißen Sommertagen durchaus seine Erwähnung verdient. Auch das Wort Stadtstrand liest man in der Liste.

„Man wird nicht alles machen können, was sich die Leute wünschen. Da werden wir auch noch etwas herausfiltern müssen“, sagt Norbert Hudde über die Vielfältigkeit der Bitten. Christina Drenker, Landschaftsarchitektin im Planungsbüro ISR, sagt: „Das ist ein besonderer Ort, den es nicht mehr so oft gibt. Es ist eine lange, schmale Fläche. Das macht es zu keiner einfachen Aufgabe.“ Ihr Kollege Jochen Füge hat derweil am Rheintor noch einige Notizkarten mehr vollgeschrieben. Belebung des Steigers, bitte auch noch ein Wassertaxi nach Kaiserswerth. Nur noch ein paar Menschen stehen vor ihm. Ein Anliegen aber war den Bürgern offenbar wichtig. Füge hat mit roten und blauen Stiften, den Wappenfarben Uerdingens, noch einen Satz dick oben auf seinem Stadtplan vermerkt und unterstrichen. Den soll er ja nicht vergessen: „Der Rhein ist für alle da.“