Jugendzentrum Jojo: Bohnenbällchen statt Burger

Jugendzentrum Jojo: Bohnenbällchen statt Burger

Im Jugendzentrum Jojo haben die Besucher den Kochlöffel geschwungen — und dabei zugleich etwas über Afrika gelernt.

Uerdingen. Benedikt hat seine Hände tief in einer Schüssel vergraben. Was er da mit den bloßen Fingern knetet, sieht aus wie Hackfleisch. Ist es aber nicht: „Ich vermische hier gerade Kidneybohnen, Zwiebeln, Eier, Semmelbrösel, Salz und Pfeffer und Erdnussöl“, erklärt der 13-Jährige. Am Ende sollen daraus Bohnenbällchen entstehen, die in heißem Öl frittiert werden. Wie das schmeckt, weiß Benedikt auch noch nicht so genau. „Bestimmt gewöhnungsbedürftig“, sagt er. Kein Wunder, schließlich sind er und 14 weitere Kinder heute ins Jugendzentrum Jojo gekommen, um afrikanisch zu kochen.

Anlass ist die 40-jährige Partnerschaft zwischen der Kirchengemeinde St. Nikolaus und dem Bistum Bururi in Burundi, das früher zu Deutsch-Ostafrika gehörte. „Diese lange und intensive Verbindung wollen wir feiern. Daher veranstalten wir seit September jeden Monat etwas, das mit dem Thema Afrika zu tun hat“, erklärt Lisa Vratz von der katholischen Kirchengemeinde.

Sie selbst hat schon als Kind im Jugendzentrum gespielt. Heute ist sie Ansprechpartnerin für die kleinen Köche und packt tatkräftig mit an. Neben den Bohnenbällchen sollen nämlich auch noch Maisfladen, Hefebällchen, Makalas — eine Süßspeise aus Bananen — und passende Saucen auf den Tisch kommen. Da müssen Zwiebeln geschnitten, Möhren geraspelt oder Bananen gequetscht werden.

Für letzteres sind die beiden Freundinnen Maria und Laura zuständig. Sie verarbeiten die gelben Staudenfrüchte zu einer breiigen Masse. Wie Benedikt arbeiten auch sie mit ihren bloßen Händen. „Das fühlt sich komisch an, zu Hause würden wir einen Mixer nehmen“, sagen sie.

„Es ist schön, wenn die Kinder so in andere Kulturen eintauchen können. Außerdem lernen sie, selbstständig zu arbeiten. Heutzutage lernt ja kaum noch ein Kind zu Hause kochen“, sagt Lisa Vratz. Im Jojo hingegen wird regelmäßig interkulturell gekocht. „Wir verzichten bewusst auf Fertiggerichte, damit die Kinder sehen, wie die Dinge eigentlich gemacht werden“, erklärt der Leiter des Jugendzentrums Felix Bünzel.

Maria ist schon gespannt auf das Essen. „Die haben ja ganz andere Lebensmittel, da schmeckt sicher auch das Essen anders.“ Einer der es wissen muss, ist Matthias Vratz. Der 18-jährige Messdiener war im Rahmen der Partnerschaft im Jahr 2011 in Afrika: „Es war wirklich toll. Die Menschen sind so gastfreundlich, nehmen einen ohne Scheu auf.“ Von dieser Reise hat er Bilder mitgebracht, die die Kinder neben dem Kochen anschauen können, um einen Eindruck vom Bistum Bururi zu bekommen. Währenddessen füllt sich der Raum mit würzigen Gerüchen: Das Essen ist fertig.

Der elfjährige Hendric darf als erster probieren. „Das schmeckt voll lecker“, sagt er erstaunt. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut schmeckt.“

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