WZ-Mobil in Uerdingen: "Der Heimatbund kann in den Bahnhof ziehen"

WZ-Mobil in Uerdingen: "Der Heimatbund kann in den Bahnhof ziehen"

Die Bürger wünschen sich, dass der Bahnhof wiederbelebt wird. Ein Investor hat sich bereits zurückgezogen.

Krefeld. Am Uerdinger Bahnhof herrscht Unzufriedenheit. Die Pläne des Investors Achim Janser, ein Brauhaus mit Biergarten zu eröffnen, sind endgültig gescheitert. Eine Machbarkeitsstudie der Bahn aus dem Jahr 2011 hatte ein ufo-förmiges Bürogebäude enthalten. Aus Jansers Sicht wurde so eine „Drohkulisse“ geschaffen, die für ihn den Ausschlag gab, das Projekt aufzugeben. In den nächsten Wochen will er den Bahnhof zum Verkauf anbieten. Am WZ-Mobil machten die Uerdinger Vorschläge für eine weitere Nutzung.

Dass etwas passieren muss, ist für Peter Kostyrok klar: „Schon als Denkmal muss der Bahnhof erhalten bleiben. Ob es dann gastronomisch genutzt oder von irgendeinem Verein betrieben wird, ist fast egal. Hauptsache ist, dass dieses schreckliche Bürogebäude nicht gebaut wird. Das passt einfach nicht zu Uerdingen.“ Für den 33-jährigen Uerdinger ist jetzt vor allem wichtig, dass die Bahn den Weg für eine neue Nutzung freimacht. „Die Bahn muss aufhören, sich querzustellen.“

Auch Sandra Leurs (53) ist sauer auf den Eigentümer des Geländes: „Die Bahn kippt alle Pläne, die Uerdingen wiederbeleben würden. Man könnte mit einem schönen Bahnhof Tagestouristen nach Uerdingen holen. Mit einem schönen Café würde das Gebäude sogar zu einem echten Ausflugsziel werden.“ Außerdem erinnert sie sich gerne an die Zeit, als in der Musik-Kneipe im Bahnhof noch Live-Musik lief: „Auch das wäre für junge Leute eine schöne Variante.“

Ein Restaurant mit Außengastronomie könnte sich Hubert Buschmann für den Uerdinger Bahnhof gut vorstellen. „Hier sind doch ständig viele Leute. Da wäre sicher immer Betrieb“, ist er überzeugt.

„Der Investor ist zu Recht verärgert“, sagt Heike Hoffmann. „Wir haben als Bürger doch gar keinen Einfluss“, klagt die erste Vorsitzende des Bürgervereins Uerdingen. Mit Spannung wartet sie auf die neue Machbarkeitsstudie und die nächsten Pläne der Bahn. „Die kocht ja immer ihr eigenes Süppchen.“ Um das Gebäude sei es schade. „Das wäre ein toller Treffpunkt in Uerdingen.“

Für Renate und Hans Kämmerer war es „vorauszusehen, dass das mit dem Brauhaus nichts wird“. Eine Gastronomie würden beide dennoch begrüßen. „Dann wäre hier auch etwas mehr Kontrolle. Jedes Wochenende wird der Tunnel vollgeschmiert. Der sieht aus, als wäre er schon 20 Jahre alt“, meint das Ehepaar. Es sei eine Schande, dass an einem solch schönen Bahnhof nichts passiere.

Auch die neunjährige Clarissa März würde sich über ein Restaurant freuen. Für „einen Kulturtreffpunkt für junge Leute mit Musik und Bands“, plädiert hingegen ihre Mutter Christina März. „In die andere Hälfte des Hauses müsste dann aber ein Café mit selbst gebackenem Kuchen.“

Susanne Tyll hat noch einen weiteren Vorschlag: „Wäre es nicht eine Überlegung wert, dass der Heimatbund, der ja auf der Suche nach einem — barrierefrei zugänglichen — Gebäude ist, dort einzieht?“ Sie warnt vor einer Wiederholung der Fehler: „Die Erfahrungen, die hier mit dem Umbau des Gleiszugangs gemacht wurden, als still und leise in einer Nacht- und Nebelaktion die denkmalgeschützten Säulen und die Überdachung der Bahnsteige abgebaut wurden, sollten sich nicht wiederholen.“

„Der Umgang der Bahn mit dem Investor und dem Gemeinwesen Uerdingen ist schlicht indiskutabel“, stimmt Norbert Sinofzik zu. Auch er ist der Meinung, der Heimatbund sollte das Gebäude kaufen. „Für den Heimatbund ist der Bahnhof ideal geeignet: ebenerdig und barrierefrei, günstig gelegen und viel Platz für die Archivbibliothek.“