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Seit zehn Jahren im Einsatz für Senioren

Seit zehn Jahren im Einsatz für Senioren

Die Kooperation des Heilpädagogischen Zentrums mit Seniorenheimen ist eine Erfolgsstory.

24 Briefe hängen an einer großen Pinnwand im Foyer des Cornelius-de-Greiff-Stifts. „Vielen Dank für die schöne Zeit“ steht darüber in schwungvollen Lettern geschrieben. Die 24 Mitarbeiter des Heilpädagogischen Zentrums, kurz HPZ genannt, bedanken sich in sehr persönlichen Worten bei Geschäftsleitung, Kollegen und Bewohnern des Seniorenheims. Seit zehn Jahren kooperieren die Städtischen Seniorenheime Krefeld mit dem HPZ. Im Cornelius-de-Greiff-Stift binden sie Menschen mit einer geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderung in den Arbeitsmarkt ein.

Diese inklusive Kooperation gilt bundesweit als Pilotprojekt, das jüngst Jubiläum feierte. Malte Wulbrand mag den Begriff „Projekt“ nicht so recht. „Es war von Anfang an als Kooperation, als Dienstleistungsverhältnis gedacht“, betont der Assistent der Geschäftsführung und Einrichtungsleitung. Bevor die Mitarbeiter in das Seniorenheim kamen, waren sie in den Werkstätten der Lebenshilfe tätig. Jetzt werden sie ihren individuellen Talenten entsprechend im Cornelius-de-Greiff-Stift eingesetzt.

Florian Wetzels ist seit acht Jahren dabei. Ihm fiel der Anfang alles andere als leicht. Der 28-Jährige konnte sich nur schwer von der Sicherheit des gewohnten Werkstatt-Alltags trennen. „Aber jetzt will ich nicht mehr wechseln“, sagt er und erzählt begeistert von seinen Aufgaben in der Wäscherei sowie von seinen beruflichen Plänen. Sechs Hausgemeinschaften gibt es im Cornelius-de-Greiff-Stift. 84 Bewohner leben hier. Die 93-jährige Vera Rathje freut sich jeden Tag auf die HPZ-Mitarbeiter. „Die sind immer gut gelaunt und sehr fleißig“, sagt sie. Sie profitiert davon, dass die HPZ-Mitarbeiter den Bewohnern mehr Zeit widmen können und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen.

Neben ihrer Arbeit haben sie stets ein offenes Ohr für Familiengeschichten oder sehen sich Fotos der Enkel an. „Haben Sie noch einen Wunsch?“, fragt André Weikert die Senioren immer. „Dafür bin ich da. Schließlich sollen sich alle wohlfühlen“, sagt er. Stolz zeigt er seinen Tagesplan: Essen verteilen, Tische abräumen, die Spülmaschine bedienen, Kaffee kochen und Brote schmieren gehören zu Weikerts Aufgaben in der Küche.

André Weikert ist beruflich da angekommen, wo Florian Wetzels gerne hin möchte. Als einer von sieben Mitarbeitern steht er ein paar Stufen höher auf der Karriereleiter innerhalb des Systems.

Was 2008 mit drei Leuten und ganz einfachen Routinearbeiten begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte. Anfängliche Bedenken sind längst einem tiefen Vertrauen gewichen. Die HPZ-Mitarbeiter arbeiten heute in den Wohnbereichen, der Zentralküche und im Wäscheservice. Täglich sind sie in drei Schichten im Einsatz, an 364 Tagen im Jahr. Am 365. Tag findet ein gemeinsamer Ausflug statt. Für alle Beteiligten waren die vergangenen zehn Jahre ein Lernprozess. Heute möchte keiner mehr auf die Unterstützung verzichten. HPZ-Gruppenleiterin Tatjana Masold ist besonders stolz auf ihre Mitarbeiter. „Inklusion ist ein langer Prozess“, sagt sie. „Unser Modell funktioniert.“

Wulbrand lobt das Team: „Man kann sich auf alle Mitarbeiter verlassen.“ Schließlich haben alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel: das Beste für die Bewohner.