Zeitgenössische Kunst: Kunstwerke an einem verwunschenen Ort

Zeitgenössische Kunst : Kunstwerke an einem verwunschenen Ort

Im Pausenhof an der Marktstraße zeigen Krefelder Künstler ihre Arbeiten in der ehemaligen Volkshochschule.

Kein Hausmeister sorgt hier für überschaubare Ordnung — und Schüler sucht man vergebens. Wild ranken Pflanzen an den Mauern empor. Dieser Pausenhof sieht wie ein verwunschener Ort aus. Seit 2006 schon ist die dazugehörige ehemalige Volksschule an der Marktstraße aber ein Ort der Kunst. Mehrere Künstler betreiben in den alten Klassenzimmern ihre Ateliers, und einmal im Jahr öffnen sie diese für ihre Pausenhofausstellung. Am 1. und 2. September ist es wieder soweit.

Die Malerin Christine Prause hat sich wieder der Natur als Thema zugewandt. Ein älteres Werk dient als Referenzobjekt. Während bei diesem spürbar ist, dass ein konkretes Motiv abgebildet wurde, wirken die aus der Vorstellung entstandenen neuen Werke luftiger. Nach wie vor befinden sich Prauses Acrylbilder auf dem Weg zum Abstrakten, die Farbkomposition ist ihr Hauptanliegen geblieben.

Inken Horn zeigt unter anderem acht kleine Tuschezeichnungen. Diese nutzen Fotografien als Vorlage, deren Farbwerte auf harte Schwarzweiß-Kontraste reduziert wurden. So weisen die Motive weiße Leerstellen auf. Die im Foto schwarzen Flächen hat die Künstler allerdings mit einer nicht deckenden Schraffur aus millimeterdünnen Strichen ausgefüllt. Das verleiht den Zeichnungen wieder eine Unschärfe, die die Motive, überwiegend weibliche Figuren, in eine rätselhafte Ferne entrücken.

Frank Bernemann ist seiner Arbeit mit Wachsobjekten, die im Endeffekt wie Tafelbilder wirken, treu geblieben. Er hat seine Technik dabei inzwischen ausdifferenziert. Mal ritzt er seine figürlichen Motive durch das Wachs bis ins Holz, oder er ritzt nur noch ins Wachs, oder er überlagert Fotocollagen durch darüber liegende Wachsschichten. Alle Techniken aber dienen nach wie vor der Verfremdung der als Basis dienenden Fotos.

Peter Schmitz hat seinen großformatigen Ölbildern das Karikatureske ausgetrieben. Nunmehr stehen fiktive Portraits im Vordergrund. Den dargestellten Personen ist gemeinsam, dass sie sich offenbar unter Druck befinden oder in einer mindestens unklaren, vielleicht ausweglosen Situation. So steht auf einem Bild ein Mann in Shorts in einem undurchdringlichen Wald und scheint in eine Ferne zu schauen, die für ihn unmöglich sichtbar sein kann.

Susanne Pochowski zeigt wieder kleinformatige Acrylbilder, die sich abermals seriell mit einem geometrischen Thema beschäftigen. Dieses Mal ist der Kreis ihr Hauptmotiv. Auf einem Bild überlagern sich jeweils mehrere Kreisflächen. Durch verschiedene Verdünnungsgrade der Farbe sind diese teils transparent. Dadurch entsteht gewissermaßen illusionistisch eine räumliche Wirkung.

Barbara Freundlieb, deren großformatige und figürliche Acrylbilder bisher durch ihren impulsiven Gestus auffielen, begibt sich mit ihren neuen Arbeiten auf die Suche nach der Reduktion. Spannenderweise hat sie sich dabei über mehrere Arbeiten mit einem fiktiven Landschaftsmotiv — einer Gruppe von Baumstämmen hinter einer Wasserfläche — beschäftigt. Wie die Variation von Farbigkeit und Gestus das Motiv in seinem Charakter verändern, ist interessant zu beobachten.

Als Gast der Ateliergemeinschaft darf Brigitta Heidtmann den Eingangsflur der alten Schule bespielen. Sie zeigt untere anderem skulpturale Arbeiten aus Holz, die im vergangenen Jahr während eines Atelierstipendiums in Bremerhaven entstanden sind.

Aus Kreissegmenten und ganzen Kreisen, die aus einer flachen Platte ausgesägt wurden, sind diese Skulpturen kunstvoll zusammengesetzt. Ein liegendes Objekt wirkt wie eine langgezogene, sich zu den Enden hin verjüngende Kapsel. Ein weiteres Objekt ist ein aufgestellter Kreis. Die Objekte umschreiben Raum und setzen sich gleichzeitig unangestrengt mit dem umgebenden Raum in Beziehung.

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