Einfach zum Dahinschmelzen

Einfach zum Dahinschmelzen

Vier Meister der kalten Köstlichkeiten bereiten sich auf den Wettbewerb Ende des Monats vor.

Krefeld. Der kleine Löffel Pistazieneis schmeckt samtig weich und rinnt lecker die Kehle herab. In einem Gefäß befindet sich eine geheimnisvoll leckere Paste aus Balsamico mit vielen winzigen Flöckchen Blattgold. In einem weiteren kleinen Becher schmilzt eine nach Zimt schmeckende kühle Köstlichkeit. Hmm!

Vier absolute Meister ihres süßen Fachs testen, trainieren, fachsimpeln und probieren, wie sie Ende des Monats den "Coppa del Mondo della Gelateria 2010" in Rimini, den Eis-Weltmeisterschafts-Titel, nach Deutschland holen können. Es wird mit Zutaten jongliert und Neues ausprobiert. Wenn es zu sehr ins Detail geht, wechseln die vier Mitstreiter vom Team Deutschland fließend ins Italienische. "Wir möchten nicht zu viel verraten und das Thema unserer Arbeit erst gar nicht", sagt Kapitän Stefano Lucchini und die "glorreichen Vier" schweigen eisern.

"In zwei WM-Tagen müssen die zehn teilnehmenden Mannschaften je sieben Arbeiten abliefern. Dazu gehören die Gestaltung eines hübsch dekorierten Eishörnchens, ein Eisbecher mit drei verschiedenen Schokoladensorten, eine Eisskulptur als Deko für ein großes Büfett und eine Eistorte", erklärt der Teamchef. Lucchini, der Krefelder, hat Könner um sich geschart. Dazu gehört Schokoladenkünstler Gerhard Skrovanek aus München. "Wir wollen seine Pralinenkreationen in Eis umsetzen."

Während Skrovanek mit Eismeister Nicola Losego aus Dortmund über Basilikum und gelbe Zucchini im Eis diskutiert, winkt Lucchini ab. "Das ist für später. Bei der WM gewinnen wir nur mit den traditionellen Sorten Schoko und Vanille mit Himbeere oder Erdbeere."

Er hat bei den italienischen Landsmännern "spioniert", die den WM-Titel in den beiden letzten Jahren gewonnen haben, und deshalb diesmal nicht mitmachen dürfen. Dass Italiener gesiegt haben, ist für den 44-Jährigen klar. "Sie sind die besten Eismacher", sagt er.

Auf die Platzierung des neuen deutschen Teams, das zum ersten Mal an der Eis-WM teilnimmt, mag er nicht setzen. "Wir können nur gewinnen, und sei es an Erfahrung", ist die einhellige Meinung. Konditormeister Antonio Mezzarana hat unterdessen essbare Eisbecher geschaffen, die eigentlich viel zu schade sind für den Verzehr. Mandelkrokant hat er mit grün eingefärbten Fäden aus hauchdünnem Spinnzucker gekrönt, eine Kuvertüre mit Goldpuder versetzt und auf einem Bogen aus dunkler Schokolade sitzt ein Schmetterling aus weißer Kuvertüre: zum Dahinschmelzen.

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