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Krefeld: BVB-Fan Elles' bewegender Appell an Mats Hummels

Krefeld : BVB-Fan Elles' bewegender Appell an Mats Hummels

Krefeld. Christoph Elles ist ein Mann des Wortes. In Krefeld ist das bekannt. Gelernt hat der Familienvater sein Handwerk beim Remscheider General-Anzeiger, heute ist er als Redakteur für den Bereich "Allgemeine Aufgaben OB-Büro" im Presseamt der Stadt beschäftigt.

Zu diesen Aufgaben gehört auch die gemeinsame Vorbereitung von Reden und Grußworten mit dem Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer.

Krefeld: BVB-Fan Elles' bewegender Appell an Mats Hummels
Foto: Bischof, Andreas (abi)

Aber kaum eine Rede hat die Menschen, auch außerhalb Krefelds, so bewegt wie der Appell an Mats Hummels, den Borussia-Fan Christoph Elles jetzt auf die Facebook-Seite des sympathischen Dortmunders stellte. Und auf seine eigene. Am Donnerstagnachmittag hat der Post auf der Hummels-Seite bereits 1338 Likes und 117 Kommentare und wurde 83 Mal geteilt.

Seine Hommage an den Nationalverteidiger, seine unaufdringliche Warnung vor einem Wechsel zu den ungeliebten Bayern, berührt das Netz. Elles zeigt sich am Donnerstag überrascht über die Reaktionen im Netz: "Natürlich wäre es schön, wenn Mats Hummels den Text liest. Aber ich glaube nicht ernsthaft, dass ihn das in seiner Entscheidung beeinflusst. Ich wollte mir einfach nur meine Enttäuschung über seinen möglichen Weggang von der Seele schreiben. Über die Reaktionen im Netz bin ich extrem überrascht."

"Lieber Mats, die Entscheidung, die du gerade triffst, musst du ganz alleine treffen. Ich verstehe, dass sie dir schlaflose Nächte bereitet.

Wie wir in Dortmund wissen, bist du kein gewöhnlicher Fußballspieler. Andere hätten den Geldregen aus München längst willig über sich niedergehen lassen, und selbst die, denen Kohle nicht das Wichtigste ist, wären dem Ruf gefolgt, um mit dem FC Bayern in Dauerschleife Titel zu gewinnen.

Insofern spricht es für dich, dass du mit dir haderst. Allerdings bist du schlau genug, um zu wissen, dass all das Hadern umsonst wäre, wenn du schließlich nach München wechselst. Denn der Grund deiner Skrupel scheint mir doch zu sein, dass du höhere Werte und tiefe innere Bindung abwägst gegen kalkulierten Erfolg und kaltes Geschäft. Der Widerstreit, der in dir tobt, ist uralt: Herz gegen Kopf, Emotion gegen Verstand.

Ich glaube, du bist im Grunde ein rationaler Mensch, Mats. Und deshalb befürchte ich, wie viele Fans von Borussia Dortmund, dass du dich am Ende für Bayern entscheiden wirst. Die Argumente kennst du selbst am besten. Trotzdem möchte ich dich erinnern an die Jahre, die du beim BVB erlebt hast. An die Euphorie des ersten Meistertitels, bis heute eine unfassbare Geschichte, wie die vom Phönix und der Asche. Als wir alle dachten, dafür gäbe es keine Steigerung, kam das Double. Und ein Jahr später der sensationelle Durchmarsch ins Finale der Champions League. Der tiefe Fall auf den letzten Tabellenplatz, der kurz darauf folgte, war im Nachhinein ebenso wichtig. Denk daran, wie es sich angefühlt hat, sich dort heraus zu kämpfen, wir alle gemeinsam — Verein, Mannschaft und Fans. In Dortmund wissen wir, dass Tiefen dazu gehören, im Leben wie im Fußball.

Genau das ist der Unterschied zu Bayern.

Aufgrund der Rahmenbedingungen, die sie selbst über Jahre geschaffen haben, spielen die Münchner in einer anderen Liga. Das ist schön für sie, aber was bedeutet es für einen klugen und emotional intelligenten Spieler wie dich?

Die Titel werden in München nicht gewonnen oder erkämpft, sondern abgehakt. Man betreibt dort längst keinen Fußballverein mehr, sondern einen internationalen Konzern. Rückschläge sind praktisch abgeschafft, Niederlagen werden nicht sportlich akzeptiert, sondern widersprechen dem Selbstverständnis. Die Bosse maximieren die Gewinne, die Spieler sind reine Funktionsträger in einer auf Leistung programmierten Maschinerie, das Publikum gleicht einer Aktionärsversammlung, die ausschließlich Gewinne goutiert. Siege bringen hier nicht Freude oder Euphorie, sondern höchstens Zufriedenheit, wie der Blick auf die ohnehin erwarteten Quartalszahlen.

Auch hinter deiner Verpflichtung steckt keine individuelle Wertschätzung, sondern ein kühler Plan. Wie nach den Meistertiteln 2011 und 2012 haben die Bayern zuletzt festgestellt, dass Dortmund ihnen wieder gefährlich nahe kommt. Doch statt sich auf die sportliche Herausforderung einzulassen, nutzen sie in bewährter Manier ihre finanziellen Mittel, um den Kontrahenten zu schwächen und sich selbst zu stärken. Schlau, klar. Aber auch hinterhältig und skrupellos. Gelebter Raubtierkapitalismus.

Der größte Verlierer dabei ist nicht einmal Dortmund, das Abgänge bislang stets gut ausgleichen konnte, sondern die gesamte Liga. Mit der aktuellen Strategie unter dem Technokraten Sammer und dem Machtmenschen Rummenigge wird die Bundesliga auf Jahre hinaus spannungsarm dahin dümpeln. Auch international schaden die Bayern dem deutschen Fußball, weil sie alle anderen Mannschaften der Liga klein halten und so ausplündern, dass ihnen jede Chance genommen wird.

Den meisten Spielern wird das egal sein, doch wie gesagt: Ich glaube, du bist anders. Du durchschaust die Mechanismen, du wägst deine eigenen Werte dagegen ab, und das gibt dir die Chance, dich dem abgekarteten Spiel zu verweigern. Den Mumm dafür hast du ohnehin.

Mit einem Verbleib wirst du nicht nur zur Dortmunder Legende, du wirst zum Symbol der Hoffnung für alle Fußballfans. Zum sichtbaren Zeichen, dass ein Leben abseits der Münchner Herrscherpaläste möglich ist. Und wer weiß? Mit Tuchels taktischem Geschick und einer schlagkräftigen Truppe kann es durchaus gelingen, die Macht des FC Bayern zumindest zeitweise zu brechen.

Denk mal, was das für ein Erlebnis wäre — in Dortmund, wo so viele Menschen voller Leidenschaft für den BVB brennen und dich als Kapitän und Führungsfigur verehren. Ein Wechsel nach München würde sich dagegen fast anfühlen wie ein vorzeitiges Karriereende. Leben in der Komfortzone, im goldenen Käfig. Willst du das, Mats?

Ich wünsche dir alles Gute und eine glückliche Hand!"

Christoph.