Fanclub des KFC Uerdingen: Gemeinsam kicken gegen Vorurteile

Fanclub des KFC Uerdingen: Gemeinsam kicken gegen Vorurteile

Der Fanclub des KFC Uerdingen veranstaltet Fußballspiele mit Flüchtlingen.

Krefeld. Es herrscht Chaos vor der Grotenburg. Während die A- und B-Jugendlichen noch ihr Abschlussspiel auf dem Kunstrasenplatz absolvieren, versammeln sich hinter dem Platz bestimmt 40 Flüchtlinge. Matthias Finken nimmt das Heft in die Hand und versucht, erst einmal Spieler von Zuschauern zu trennen. Finken ist Vorsitzender des Supporters-Clubs Krefeld, der seit August 2015 den allwöchentlichen „Montags-Kick“ auf die Beine stellt.

Das Angebot hat sich schnell herumgesprochen. Mit dem guten Wetter kommen immer mehr Flüchtlinge zur Grotenburg, um die Alltagssorgen beim Kicken mit Freunden mal für einen Moment zu vergessen.

Der Fan-Club des Krefelder Fußball-Oberligisten KFC Uerdingen hat sich 2012 gegründet. Von Anfang an realisiert der rund 150-Mitglieder starke Fanclub soziale Projekte. Nachdem der Flüchtlingszustrom in Krefeld weiter zunahm, sahen sich die Verantwortlichen in der Lage, durch den Fußball Abwechslung zu bieten.

Finken sagt: „Der Platz ist von der Glockenspitz Halle aus gut zu Fuß erreichbar. Hier auf dem Kunstrasenplatz zu kicken ist ein guter Rahmen, um Spaß und Freude zu haben.“

Aus einer Idee entwickelte sich schnell ein handfestes Projekt, das von vielen Flüchtlingen gut angenommen wurde. Zum Beispiel von Hassan, der seit Beginn dabei ist und schon viele neue Freunde durch den Fußball gefunden hat. „Es bedeutet uns allen sehr viel. Auf dem Platz gibt es keinen Krieg, sondern Freundschaft.“

Auch an diesem Tag sind wieder gut 40 Flüchtlinge zum Montags-Kick gekommen. Jede Woche erhält der Fan-Club Sachspenden in Form von Fußballschuhen und Sportkleidung, die bei der steigenden Anzahl von Teilnehmern auch dringend benötigt werden. Mit rund 30 Minuten Verspätung geht es dann endlich auf den Kunstrasen.

Finken: „Sie können sich vorstellen, dass es schwierig ist, bei einer Trainingszeit von rund anderthalb Stunden 30 bis 40 Spieler unterzubringen.“ Denn auf dem Platz stehen nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Fan-Club- Mitglieder und andere Krefelder Hobby-Kicker, die Mannschaften sind bunt gemischt.

Wegen der vielen Spieler wurden heute vier Teams mit jeweils acht bis neun Spielern erstellt. Zweimal 25 Minuten, der Gewinner zieht ins Finale ein. Ein einfaches Prinzip, schließlich soll jeder zum Einsatz kommen. Nach dem Anpfiff geht es dann ganz schön zur Sache. Der Ehrgeiz hat alle gepackt, dennoch geht es stets fair zu.

Matthias Finken spielt heute den Schiedsrichter, viel zu tun hat er aber nicht. Bei der durchaus ruppigen Gangart, die viele an den Tag legen, passiert zwar auch mal das ein oder andere Foul. Doch die Spieler coachen sich untereinander, eine kurze Entschuldigung per Handschlag — und weiter geht’s.

Das weiß auch Christian Scholz. Der 28-Jährige gehört ebenfalls dem Fan-Club an und spielt seit Tag Eins mit. „Es macht allen hier viel Spaß. Wir hatten noch nie Probleme mit Aggressivität.“ Zwischen den Spielen gibt es als Stärkung Getränke und Kuchen, an denen sich alle Spieler bedienen können. Nach rund 90 Minuten Training sind alle erschöpft. Besonders die Spieler aus dem Fan-Club ringen nach Luft. „Viele Spieler sind unheimlich schnell und technisch stark“, meint Scholz, „ein überraschend hohes Niveau.“

Schon fünf Mal haben die SCK-Mitglieder ein Freundschaftsspiel mit angesetzten Verbandsschiedsrichtern veranstaltetet. Wegen der knappen Platzbelegung bleibt derzeit nur der Montags-Termin, doch auch in Zukunft soll trainiert und gespielt werden.

Auch aus anderen Stadtteilen wird Interesse signalisiert, mit der Sommerzeit werden auch in den nächsten Wochen mehr Spieler zum Training kommen. „Wir wollen ihnen einfach eine Abwechslung und Freude bereiten. Egal, wie viele da sind, das packen wir schon“, sagt Finken. Und darum geht es schließlich: Gemeinsam eine gute Zeit zu haben.

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