So rüstet sich die Stadt für den Notfall

So rüstet sich die Stadt für den Notfall

Krisenstab, Tank- und Wasserlager, Medikamente, Unterkünfte, IT-Virenschutz: Düsseldorf hat für vieles einen Plan.

Düsseldorf. Was tun bei Terror-Anschlägen oder Cyber-Angriffen auf die Strom- und Wasserversorgung? Welche Notvorräte sollte jeder Haushalt anlegen? Das vor ein paar Wochen vorgestellte neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung schlug hohe Wellen. Und beunruhigte wohl manchen Bürger.

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Diese Woche stellte der erste Discounter eine lange Latte an Speisen, Getränken und Haushaltswaren im Werbeprospekt zusammen, mit dem man garantiert zehn Tage über die Runden komme, falls man dies alles bunkert und das Haus nicht verlassen darf. Aber nicht nur der Bund und die Bürger selbst sorgen für einen Katastrophenfall vor, sondern auch die Stadt Düsseldorf. Dabei wurden nach dem Ende des „Kalten Kriegs“ in den 90er Jahren ein Teil der Infrastruktur für den „Ernstfall“ abgebaut. Hier ein Überblick, wie sich die Stadt heute rüstet.

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Die Leitung des Krisenstabes obliegt dem Oberbürgermeister, in Vertretung übernimmt diese Aufgabe in der Regel Helga Stulgies als die für die Feuerwehr zuständige Dezernentin. Ständige Mitglieder sind die Feuerwehr, das Amt für Kommunikation, Umweltamt, Ordnungsamt, Schulverwaltungsamt, die Sozialverwaltung, Gesundheitsamt, Amt für Verkehrsmanagement, ein Fachberater der Hilfsorganisationen, Polizei, Rheinbahn sowie Stadtwerke und ein Vertreter der Bundeswehr. Zudem können Vertreter weiterer Institutionen wie Bezirksregierung, Awista, Flughafen oder Krankenhäusern in den Krisenstab berufen werden.

Der Krisenstab kann in Absprache mit ortsansässigen Großanbietern auf Verpflegung (Nahrung und Getränke) zurückgreifen. Dies ist jederzeit an 365 Tagen im Jahr sichergestellt. Unberührt davon bleibt, dass der Zivilschutz Aufgabe des Bundes ist, der dezentral große Mengen an Grundnahrungsmitteln (Getreide, Hülsenfrüchte etc.) vorhält.

Ja. Die Trinkwasserversorgung ist in Düsseldorf auch bei einem Ausfall der zentralen Trinkwasserversorgung sichergestellt. Aus Sicherheitsgründen werden Anzahl und genaue Standorten der Brunnen nicht genannt.

Im Katastrophenfall kann der Krisenstab der Stadt auf gewerbliche Anbieter zurückgreifen. Es ist also möglich, bei ortansässigen Tankstellen und auch Tanklagern Treibstoffe zu besorgen. Zudem hält der Zivilschutz (Bund) Treibstoffe an verschieden Standorten vor.

Auch in Düsseldorf wurden bis Mitte der 90er Jahre die Sirenen nach und nach deinstalliert. Seit 2002 wurde aber ein fast flächendeckendes und digital gesteuertes Sirenennetz wieder aufgebaut. Mit den Hochleistungssirenen kann in einzelnen Stadtteile separat gewarnt werden. Zusätzlich setzt die Feuerwehr Düsseldorf seit dem vergangenen Jahr auf einen weiteren Kanal bei der Bevölkerungswarnung: die so genannte „NINA-Warn-App“.

Die Stadt und ihr IT-Dienstleister, die ITK Rheinland, verfügen über mehrere digitale Zugangskanäle in die Verwaltung, die alle durch zeitgemäße Systeme für den Virenschutz und zur Verhinderung von ungewollten Zugriffen von außen geschützt werden. Dazu gehören etwa Firewall-Systeme und Kontrollsysteme für Netzwerkzugriffe. Details werden aus Gründen der IT-Sicherheit nicht genannt.

Jede Apotheke muss Arzneimittel in einer Menge vorrätig halten, die mindestens dem Bedarf für eine Woche entspricht, Krankenhausapotheken für zwei Wochen. Bestimmte, seltener benötigte Arzneimittel werden in zentralen Notfalldepots gelagert. Außerdem beteiligen sich in Düsseldorf die Apotheke der UniKlinik und die am Marienkrankenhaus Kaiserswerth an der Bevorratung. Die Maßnahmen zur Beschaffung von Jodtabletten (zur Blockade der Schilddrüse) durch das Land sind durch die neue Einteilung der Gefährdungszonen in Düsseldorf noch nicht abgeschlossen.

Seit Jahren arbeitet die Düsseldorfer Feuerwehr erfolgreich mit dem selbst erarbeiten „Einsatzplan Betreuung“, zum Beispiel bei Bombenentschärfungen. Darin stehen u.a. Schulen und Versammlungsstätten, die sich als Unterkunft für viele Menschen eignen. Ebenfalls ist genau geplant, wie viel Personal für Errichtung und Betrieb der Unterkunft vonnöten sind und welches Material man für Aufbau und Aufrechterhaltung über mehrere Tage braucht.

Als etwa die Bundeswehr mit hunderten Soldaten nach dem Pfingststurm Ela in Düsseldorf aushalf, wurden die Soldaten in der Konzerthalle an der Siegburger Straße untergebracht.

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wz.de/duesseldorf

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