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Die Queen gastiert im Malkasten

Die Queen gastiert im Malkasten

Ein Bild der Königin ist bei der Ausstellung des Kunstvereins zu sehen.

Die Einladung zur Winterausstellung im Malkasten mutet kurios an. Da sitzt die Queen wie zur Fernseh-Ansprache dem Betrachter gegenüber, mit einem Weihnachtsbaum im Hintergrund und ihren Lieben im kleinformatigen Wechselrahmen. Solche kleinen Formate zeigen auch die hiesigen Künstler in ihrer Jahresausstellung. Malkastenchef Robert Hartmann spielte bei der Vernissage die Queen gegen die Abgesandten der Berliner Republik aus. „Es gibt in unserer Republik keine übergeordnete Persönlichkeit als Leitstern und als Verkörperung von Tradition und Geschichte“, sagte er. Einige Malkästner krönten in ihrer Bilderschau ihre eigenen Häupter.

In seiner Festansprache forderte Hartmann strengere Methoden für die Bundestagswahl. Als respektloser Künstler schlug er eine Wahl nach mittelalterlichem Vorbild vor. Das Konklave zur Papstwahl anno 1095 zog sich fast drei Jahre hin, bis die erbosten Einwohner von Viterbo handgreiflich wurden, das Kardinalskollegium auf Wasser und Brot setzten, die Kardinäle einmauerten und ihnen das Dach über dem Kopf abdeckten. Das half. Gregor X wurde gewählt. Hartmann empfahl, den Berliner Verhandlungsführern, Strom und Heizung abzustellen und Wasser und Brot zu bieten. Der Kanzleramtsminister wie der amtierende Außenminister und die Kanzlerin könnten mindestens vier Wochen diese Schmalkost aushalten.

Wie die Exponate der Malkästner zeigen, trauert man selbst in Düsseldorf der Queen nach. Ansgar van Treek lässt sie in seinem gefakten Foto aus ihrem Palast treten, vor sich die mit roter Teppichware ausgelegten Treppen. Georg Janthur schnitzt eine Handtasche aus Esche und bepinselt sie in Grün und Gold. Der Betrachter meint, der pralle Beutel könne sich auch ohne den Arm des britischen Oberhaupts davon machen.

Andrea Mohr nimmt sich in Lucas Cranach ein Vorbild und malt die Hoheiten in Öl und mit Blattsilber. Wanja Richter-Koppitz erinnert im Foto an Jörg Immendorff, den verblichenen Herrscher der Kunst. Und Kathrin Roeber krönt gar einen Unbekannten als Nachfolger unter den hiesigen Lichtgestalten.

Das alles gibt es fürs kleine Geld. 40 Exponate kosten jeweils 50 bis 250 Euro, 60 Werke bis 500 Euro; und nur 40 Exponate kosten bis 1000 Euro. Ganze 280 Euro will Janthur für die hölzerne Handtasche haben.

Zum Verein: 430 Mitglieder hat der Malkasten. Die Zahl der Frauen nimmt gegenüber den Männern zu. Schwierig sei es jedoch, so Hartmann, die jüngere Generation zu gewinnen. Das sei schade, denn der Malkasten biete das schönste Ambiente, den besten historischen Park in der Innenstadt und jede Menge Programm. Restaurant und Bar sind vermietet. Der große Teppichboden der Künstlerin Rosemarie Trockel im „Lido“-Restaurant sieht allerdings noch recht unberührt aus. Auch die Freischwinger könnten mehr Gäste vertragen. Der neue Pächter Robertino Wild hofft jedoch auf bessere Zeiten, schließlich hat er mehrere Millionen Euro in die Sanierung gesteckt.