Düsseldorfer Juden: Vom Überleben im Ghetto

Düsseldorfer Juden: Vom Überleben im Ghetto

Die Mahn- und Gedenkstätte hat die Lebensgeschichten der nach Lodz deportierten Juden recherchiert.

Düsseldorf. Es war ein Zug ins Verderben, der sich am 27. Oktober 1941 vom Gelände des Düsseldorfer Schlachthofs aus in Bewegung setzte: Die erste Großdeportation von Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf "siedelte" 1003 Menschen ins Getto von Lodz (eingedeutscht Litzmannstadt) um.

Nur ein Dutzend Beteiligte haben diese Deportation überlebt. In siebenjähriger Arbeit hat die Mahn- und Gedenkstätte nicht nur dem Schicksal der Überlebenden sondern auch dem der 990 Gestorbenen nachgespürt. Dabei wurden Tausende von Dokumenten in den Archiven von Lodz und New York gesichtet. Herausgekommen ist ein über 400 Seiten dickes Erinnerungswerk.

"Die wichtigste Erkenntnis: Die allgemein kolportierte Annahme, dass die deutschen Juden in den Ghettos nicht überleben konnten, trifft nicht zu", zieht Gedenkstättenleiterin Angela Genger Bilanz.

Zwar fehlte es an fast allem: Als die Düsseldorfer Gruppe in Lodz ankam, gab es für die 1000 Menschen keine Pritschen zum Schlafen, nur drei Latrinen und eine Wasserpumpe im Hof.

Doch dann wurde das Überleben des Düsseldorfer Kollektivs (so nannte man offiziell die ausgewiesenen Gruppen) von ihrem Leiter, dem Rabbiner Siegfried Klein, fast generalstabsmäßig organisiert. Er stellte Regeln auf, wie die Räume zu lüften seien und wie die knappen Lebensmittel so verteilt wurden, dass jeder etwas abbekam.

Und als 1942 die erste Abschiebungswelle ins Vernichtungslager Chelmno startete, bescheinigte er seinen Kollektivmitgliedern ihre Unabkömmlichkeit für die Arbeit im Lager. Immerhin lebten Anfang 1944 noch 151 der Düsseldorfer Deportierten und 69 bei der Schließung des Gettos im August 1944.

Bis auf fünf Prozent konnten Genger und ihre Mitarbeiterin Hildegard Jakobs herausfinden, was jeder einzelne während der Zeit im Ghetto widerfahren ist.

"Das wichtigste Dokument war dabei die Brotkarte", sagt Jakobs. Denn die Karten der Düsseldorfer Kollektivmitglieder begannen alle mit 168 und dadurch ließen sich die vielen Namensvettern von einander unterscheiden. So gab es in Lodz zum Beispiel 25 Frauen namens Erna Meier.

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