Das Aus für Lütgenau erfüllt viele Düsseldorfer mit Wehmut

Das Aus für Lütgenau erfüllt viele Düsseldorfer mit Wehmut

Spiel und Hobby Lütgenau hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Andrang beim ersten Tag des Ausverkaufs war groß.

Düsseldorf. "Pelé kam nach seiner Karriere mal rein und auch die von Abba haben hier gekauft", erzählt Cornelius Kolmstetter. Seine Augen leuchten bei den Erinnerungen an die vergangenen Jahrzehnte. Seit 40 Jahren leitet der heute 60-Jährige den Spielwarenladen Spiel und Hobby Lütgenau, den sein Großvater Otto Lütgenau 1876 eröffnet hatte.

Und Geschichten hat er jede Menge zu erzählen - von berühmten und von skurrilen Kunden. "1965 bediente mein Vater Queen Elizabeth II. und Königin Sylvia von Schweden sogar mehrmals", erinnert sich Kolmstetter. "Einmal war eine Prinzessin aus Saudi-Arabien zu Besuch. Die kaufte Puppen für eine fünfstellige Summe und setzte sich dann mitten im Laden auf den Boden und ließ sich mit ihnen fotografieren."

Noch mehr solcher Geschichten werden wohl nicht dazukommen. Am Montagbegann der Ausverkauf in den beiden Lütgenau-Filialen an der Graf-Adolf-Straße und in den Schadow Arkaden. Im Juni wird das traditionsreiche Haus endgültig seine Pforten schließen. "Wenn ich nicht zumache, steuere ich unweigerlich auf eine Insolvenz zu", sagt Kolmstetter. "Familien mit Kindern leben am Stadtrand und kommen nicht mehr so oft in die Stadt. Dazu kamen die Bauarbeiten an der Wehrhahn-Linie und die Wirtschaftskrise."

Im vergangenen Jahr hat der gelernte Bankkaufmann noch versucht, das Unternehmen zu retten, in dem 21 Mitarbeiter beschäftigt sind - viele seit mehr als 25 Jahren. "Die Angestellten haben sogar selbst Einsparungsvorschläge gemacht. Wir verzichteten auf einen Reinigungsdienst und putzten den Laden abends selbst." Aber es reichte letztlich nicht.

Laut Geschäftsbericht des Vedes Spielwarenverbandes, in dem Lütgenau seit 1906 Mitglied ist, ging der Umsatz seiner Mitglieder in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern um vier Prozent zurück. "In den Großstädten wie Berlin, Köln oder Frankfurt gibt es längst keine mittelständisch geführten Spielzeugläden mehr", sagt Kolmstetter.

Nach der Ankündigung von Schließung und Ausverkauf kamen die Kunden am Montag in Scharen ins Geschäft. Viele sind traurig darüber, dass der Laden bald verschwunden sein wird. "Es gibt nichts Vergleichbares in der Stadt, ich war schon als Kind hier", sagt Nina Nix. "Viele kaufen im Internet, aber da kann man nicht durch die Gänge gehen und sich inspirieren lassen", meint sie. Herbert Andres kommt seit zwei Jahren aus Hilden zu Lütgenau. "Als ich das Schild vom Ausverkauf draußen sah, hat mich fast der Schlag getroffen."

Auch die treuen Kunden wird Kolmstetter, der noch weiter arbeiten will, vermissen. "Manche Männer haben während der Wirtschaftskrise bei uns auf Raten gekauft, damit ihre Frauen nicht merken, dass sie sich schon wieder eine Modell-Lok für 500 Euro zugelegt haben", erzählt er lächelnd eine letzte Geschichte.

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