Deutlich weniger Unfälle mit Verletzten

Deutlich weniger Unfälle mit Verletzten

Die Polizei hat gestern die Unfallzahlen für das vergangene Jahr im Kreis vorgelegt. Demnach wurden erstmals seit sechs Jahren weniger als 1000 Menschen verletzt. Auch Motorradfahrer sind weniger verunglückt.

Burscheid.Wenn es um das Thema Drogen im Straßenverkehr geht, sind die Beamten der Kreispolizei hochsensibel. Im vergangenen Jahr wurden bei Schwerpunktkontrollen unter anderem an der Bürgermeister-Schmidt-Straße dutzende von Autofahrern unter Einfluss von Betäubungsmitteln aus dem Verkehr gezogen.

Wie ein Schlag ins Gesicht kommt Claus Risch, Leiter der Führungsstelle Verkehr, deshalb die aktuelle Forderung nach einer Lockerung im Umgang mit Marihuana vor. „Wir sind über die Diskussion der Freigabe von Cannabis nicht glücklich“, betonte Risch gestern während der Präsentation der Unfallzahlen des vergangenen Jahres im Kreis. Berufskraftfahrer, Fahrer von Reisebussen, sogar Fahrer von Schulbussen unter Drogeneinfluss seien den Beamten bei den Kontrollen ins Netz gegangen. „In einem Fall hatten wir im Zeitraum von wenigen Stunden 15 Verstöße“, sagt der Polizist. Und das in Zeiträumen, die anders als beim Alkoholkonsum am Steuer tagsüber weit verbreitet seien. Das Thema werde „gesellschaftlich verharmlost“, sagt Risch. „Ist nicht so schlimm? Doch, ist es“, sagt der Beamte. Dauerkonsumenten könnten am Steuer einen Blackout bekommen — mit fatalen Folgen.

Dass der Drogenkonsum bei den Ursachen insbesondere für schwere Unfälle keine herausstechende Rolle spiele, sei laut Risch auch darauf zurückzuführen, dass so viele Autofahrer unter entsprechendem Einfluss aus dem Verkehr gezogen wurden. Und auch die Entwicklung der Motorradunfälle schreibt sich die Polizei auf ihre Fahnen. „Wir haben den niedrigsten Stand verunglückter Kradfahrer seit sechs Jahren“ sagt Risch. 25-mal seien groß angelegte Kontrollen im vergangenen Jahr geplant gewesen. Nur drei seien wegen schlechter Witterung abgesagt worden.

Besonders signifikant sei der Rückgang von 105 Opfern im Jahr 2016 auf 69 im vergangenen Jahr. „Das darf aber nicht zum Zurücklehnen führen“, sagt Gerhard Wallmeroth. Insgesamt präsentierte der Polizeidirektor gestern eine positive Bilanz des Unfallgeschehens im Kreis im vergangenen Jahr. „Wir haben zum zweiten Mal in Folge die Verkehrsunfälle reduziert — insbesondere mit Personenschäden. Hier gebe es den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. 800 Unfälle mit Verletzen gab es 2017, im vorvergangenen Jahr waren es noch 931. Doch während die Zahl der Verletzen insgesamt erstmals unter der 1000er-Marke liegt (978), ist sie bei den Schwerverletzten (länger als 24 Stunden im Krankenhaus) gestiegen. Von 192 im Jahr 2015 auf 196 (2016) und 208 im vergangenen Jahr. Nur 2014 war sie mit 215 Schwerverletzten höher. Sieben Menschen wurden bei Unfällen getötet, so viel wie im Jahr davor. Insgesamt geht die Kurve hier weiter nach unten (siehe Grafik). Walmeroth: „Aber sieben Tote, das sind sieben zu viel.“

Gestiegen sind die Unfälle mit Flucht. Aber etwa jeder zweite Autofahrer, der das Weite sucht, wird erwischt. Bei Personenschäden ist die Quote sogar noch besser. Drei von vier Autofahrern bezahlten das unerlaubte Entfernen vom Unfallort teuer.

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