Rheinoper in Düsseldorf: Neuinszenierung von Wagners „Ring“: „Walküre“ - Wotans göttlicher Hüttenzauber

Rheinoper in Düsseldorf: Neuinszenierung von Wagners „Ring“: „Walküre“ - Wotans göttlicher Hüttenzauber

Mit einer musikalisch glänzenden „Walküre“ setzt die Rheinoper in Düsseldorf die Neuinszenierung von Richard Wagners „Ring“ fort.

Düsseldorf. Und ewig grüßt das Einheitsbühnenbild. Regisseur Dietrich Hilsdorf lässt alle drei Akte von Richard Wagners „Walküre“ in Hundings Hütte spielen. Für den ersten Akt sieht Wagner das auch vor. Doch im zweiten soll eigentlich ein wildes Felsengebirge und im dritten der Walküren-Felsen zu sehen sein. Doch in der Neuproduktion des „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf bleibt das Ambiente sehr häuslich.

Winzig ist die Wohnung des Widersachers nicht. Ein lang gestreckter Holztisch und reichlich Platz im Hintergrund lassen auf einen recht großen Raum schließen. Rechts im Bild lodert es in einem kleinen alten Küchenofen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dies ist auch etwa die Zeit, in die Hilsdorf die Walküre größtenteils verlegt. Zu erkennen sind die Zeiten auch an den Militäruniformen, die Siegmund und Wotan tragen. Siegmunds Feind Hunding sieht mehr aus wie ein Jäger und führt auch ein Jagdgewehr mit sich herum. Das zaubermächtige Schwert, das Siegmund aus seiner Not heraus helfen soll, wirkt dagegen wie das Relikt aus einer anderen Zeit.

Regisseure nehmen es mit vordergründiger Logik nie ganz genau. Der Besucher hat Widersprüche zu ignorieren im Sinne einer wichtigeren Aussage. Und die liegt mehr im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Die bürgerliche Welt steht im Fokus und mit ihr der Konflikt zwischen grenzenlosem Freiheitsdrang und dem Beharren auf bestehender Ordnung. Das kommt in dieser Inszenierung auch recht klar heraus.

Allerdings sind die Bühnenbilder von Dieter Richter ziemlich spartanisch. An der Stelle „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ geht eine kleine Stalltür auf, durch die der Lenz hineinwehen darf. Auch der Feuerzauber, mit dem sich Wotan von Brünnhilde für immer verabschiedet, fällt mehr wie ein Hüttenzauber aus. Der Zuschauer sieht die leuchtenden Flammen nur durch die Fenster.

Dafür landet ein Fluggerät auf der Bühne, ein abgeschossener Helikopter wird im dritten Akt sichtbar. Seine toten Insassen begleiten die Walküren in roten Kleidern nach Walhall.

Der Helikopter ist eine Anspielung auf den Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ (1979) von Francis Ford Coppola, wo beim Angriff von Helikoptern aus Wagners Walkürenritt gespielt wird. Ansonsten hält sich Dietrich Hilsdorf mit Irritationen zurück. Seine Personenregie ist sehr lebendig und passt wieder einmal hervorragend zu Wagners Klangregie. Hierfür verzeiht man Hilsdorf manche Ungereimtheit. Zum Beispiel wird nicht klar, warum Siegmund und Sieglinde schon im zweiten Akt in Götterkreisen auftauchen und Sieglinde ihrer Schwangerschaft voll bewusst zu sein scheint. Denn eigentlich erfährt Sieglinde erst später durch Brünnhilde, dass sie Mutter wird. Ihre Überraschung wirkt hier nun nicht mehr glaubwürdig. Fehlt nur noch Louis de Funès mit „Nein! Doch! Oh!“.

Ganz großes Kino bei dieser „Walküre“ ist die musikalische Umsetzung. Die Düsseldorfer Symphoniker erzeugen unter der Leitung von Axel Kober einen wunderbar plastischen Klang voller Farben, lyrischen Nuancen und dramatischen Steigerungen. Und die sängerischen Leistungen beeindrucken nicht minder: Sopranistin Elisabet Strid und Tenor Corby Welch als Liebespaar Siegmund und Sieglinde zeichnen sich durch Schöngesang und Textverständlichkeit aus. Darstellerisch und stimmlich voll auf der Höhe agiert auch Bassbariton Simon Neal als Wotan — hier bleibt kein Wunsch offen — trotz einer ganz leichten vokalen Erschöpfung gegen Ende.

Linda Watson schlägt sich seit Jahrzehnten in den hochdramatischen Schlachten — auch jetzt als Brünnhilde wieder siegreich. Besonders reizvoll dabei: ihr immer durchdachter, eloquenter Vortrag. Durch die Bank erfreulich besetzt sind auch alle kleinen und mittleren Partien. Nach jedem Akt helles Begeisterungsfeuer im Publikum. Nur beim Applaus fürs Regieteam mischt sich manches Buh.

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