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Oper: Wer ist wer in Richard Wagners „Ring“?

Oper : Wer ist wer in Richard Wagners „Ring“?

„Der Ring des Nibelungen“ steckt voller Sagen-Gestalten und archaischen Szenen — ein Überblick als Vorbereitung für die Neuinszenierung an der Rheinoper.

Düsseldorf. Das Mittelalter kam im 19. Jahrhundert schwer in Mode, nachdem sich Europa seit der Renaissance von der „finsteren“ Epoche abgegrenzt hatte. Richard Wagner widmete sich als Dichter und Komponist alten Sagen sowohl europäischer als auch orientalischer und fernöstlicher Provenienz. Aus dem „Nibelungenlied“, dessen Abenteuergeschichten erstmals im 13. Jahrhundert auf Mittelhochdeutsch zu Papier gebracht wurden, schuf Wagner ein romantisches Musikdrama in vier Teilen. „Der Ring des Nibelungen“ entstand zwischen 1848 und 1874.

Foto: Dagmar Borrmann

Wagner war kein Nostalgiker, sondern leidenschaftlicher Revolutionär, der sich mit den bestehenden Verhältnissen überhaupt nicht abfinden wollte. Bei genauerer Betrachtung ist der „Ring“ auch keine verklärende Germanen-Sage. Vielmehr ging es um Gesellschaftskritik in archaischem Gewand. Text, Bild und Musik sollten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und die Handlung zum Menschheitsgleichnis werden. Es geht um den Gegensatz von Geld und Liebe und die zerstörerische Kraft des Machtstrebens. In Kurzform geht die Story so:

Foto: Dagmar Borrmann

Zwei Riesen, Fasolt und Fafner, haben die Göttertochter Freia in ihrer Gewalt. Sie warten auf Lohn für den Bau der neuen Götterburg Walhall. Solange er finanziell nicht flüssig ist, hat Germanengott Wotan den Riesen Freia als Pfand überlassen, — zum Leidwesen vieler Götterwesen, vor allem Wotans Gattin Fricka. Doch der Göttervater ist nun guter Dinge: Ihm ist es gelungen, den Zwergen Alberich um seinen Goldschatz samt Tarnhelm und Ring zu bringen. Mit dem Gold will er die Riesen entlohnen.

Foto: Dagmar Borrmann

Wellgunde, Woglinde und Floßhilde heißen die drei Rheintöchter. Sie sind die ersten Figuren, die im „Ring“ auftauchen. Ihnen auf den Fersen befindet sich der Zwerg Alberich. Er ist dem Reiz der Flussschönheiten erlegen. Grausam und eitel foppen die Rheintöchter den missgestalteten Alberich, indem sie ihn zuerst anlocken, um ihn dann lachend und spottend wieder von sich zu stoßen — ein großer Leichtsinn. Denn sie verraten ihm auch, dass „nur wer der Minne Macht entsagt“, also für immer auf die Freuden der Liebe verzichtet, imstande sein kann, das Gold zu rauben. Der von den Rheintöchtern so übel gekränkte Alberich entsagt und rafft den Goldschatz an sich. Er schmiedet sich einen Zauberring, der ihm alle Macht der Welt verleiht.

Wotans kühne Tochter Brünnhilde und ihre berittenen Mitstreiterinnen, die Walküren, gehen eigenmächtig vor. Brünnhilde will ihren Halbgeschwistern Siegmund und Sieglinde zu irdischem Liebesglück verhelfen. Doch hierbei gerät sie in Konflikt mit Wotan, der seiner Frau Fricka versprechen musste, Siegmund im Kampf mit seinem Widersacher Hunding fallenzulassen. Hunding ist der offizielle Gatte Sieglindes, Siegmund ihr leiblicher Bruder. Auf Frickas Geheiß soll der Inzest zwischen den Geschwistern durch den Tod Siegmunds unterbunden werden. Doch Brünnhilde eilt trotz des Verbotes Siegmund zur Hilfe. Sie tut dies zwar vergeblich, da Wotan sich machtvoll einmischt, doch hat sie noch Gelegenheit, der trauernden Sieglinde eine frohe Botschaft zu überbringen. In ihrem Schoß keime ein Sprössling aus der Verbindung mit Siegmund. Es handelt sich, wie die Musik leitmotivisch verrät, um den Helden Siegfried. Aufgrund ihres Ungehorsams wird Brünnilde von Wotan verbannt. Er legt einen Feuerkreis um sie, auf dass nur ein echter Held zu ihr finden kann. Siegfried wird es sein, der sie im Bannkreis wachküsst.

Sieglinde hat ihren Sohn Siegfried zur Welt gebracht — ausgerechnet in der Schmiede des Zwergs Mime, Alberichs schwächeren Bruders. Die Mutter stirbt bei der Geburt. Nun wächst Siegfried bei Mime auf, der sich als dessen Vater ausgibt, wobei die Lüge nur allzu offensichtlich wird. Vergeblich versucht Mime, das Schwert Notung zu reparieren. Das Schwert hatte Wotan einst in einen Baumstamm gerammt, damit Siegmund es dort herauszieht, um göttliche Strategien umzusetzen. Doch der Plan scheiterte bereits im Walküren-Teil, da Siegmund den Kampf mit Hunding nicht gewinnen durfte. Wotan selbst zerbrach das Schwert. Die Bruchstücke landeten nun also in Mimes Hütte. Der Zwerg erhofft sich durch das Zauberschwert vergeblich Zuwachs an Stärke. Erst Siegfried gelingt es, die beiden Schwertstücke zusammenzufügen.

In einer Höhle entdeckt Siegfried den Riesen Fafner, der seinen Bruder Fasolt getötet und sich in einen Drachen verwandelt hat. „Ich lieg’ und besitz’“ lautet des Lindwurms Leitspruch. Es kommt zum Kampf, bei dem Siegfried den Drachen tötet und in Besitz von Ring und Tarnhelm gelangt. Das Bad im Drachenblut verleiht ihm Unverwundbarkeit bis auf eine Stelle am Rücken, auf die sich ein Lindenblatt gelegt hatte. In der „Götterdämmerung“ wird ihm diese Verletzbarkeit zum Verhängnis. Er wird durch Alberichs Sohn Hagen hinterrücks getötet.