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Hommage: Der Poet und Kämpfer Hoehme

Hommage: Der Poet und Kämpfer Hoehme

Gleich drei Ausstellungen erinnern an den großen Inspirator der modernen Kunst.

Duisburg/Düsseldorf. Zum 20. Todestag wird Gerhard Hoehme (1920 bis 1989) als Inspirator in der Kunst der Gegenwart gefeiert. Gleich drei Museen, die Küppersmühle und das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg sowie das Museum Kunst Palast in Düsseldorf, teilen sich die Aufgabe, auf den Impulsgeber der informellen Szene, den kritischen Geist in der Adenauer-Zeit, den Experimentator und ersten Konzeptkünstler Deutschlands hinzuweisen.

In der Küppersmühle wird die Totale präsentiert, mit Leihgaben auch aus der Düsseldorfer Hoehme-Stiftung. Mit Samt unterlegte, mit Wollfäden und Ölfarbe zum "Schwarzen Frühling" kombinierte Bilder zeigen den Vorkämpfer der Moderne.

Hoehme, einst Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, Ost-Flüchtling aus Halle, landete 1951 in Düsseldorf, übernahm 1954 bis 1956 den Vorsitz der "Gruppe 53", die sich vom Realismus der Nazi-Zeit frei machte, und faszinierte seine Kollegen durch den Glauben an neue Energien in der Kunst.

1959 nahm er an der Documenta teil, 1960 war er Stipendiat in Rom und wurde Professor in Düsseldorf. 1963 kaufte er sich ein Haus in Nemi bei Rom. Nun blickte er aus der Distanz auf seine Heimat.

Lange vor der Studentenrevolte klagte er an: Sein "Hakenkreuzbild" von 1964 verstand er als "deutsches Gleichnis". Die eine Hälfte übersäte er mit Hakenkreuzen, die gen Himmel driften und schrieb mit Bleistift ein "mein Füh" hinein.

Die andere Hälfte ist ein zerbrochener Spiegel, dessen Bruchstellen er notdürftig verband. Der Betrachter kann sich selbst und seine eigene Vergangenheit reflektieren. Eine ungeheuer scharfe, zeitkritische Arbeit.

Es gibt in der Küppersmühle aber auch letzte Werke. Kurz vor seinem Tod verband er einen Holzklotz mit der Aufschrift "Sharon Tate" mit einem gemalten Riss, der nicht mehr durch einen Spiegel, sondern durch Hoehmes eigenen Körper zu verlaufen scheint. Seine Kunst wurde zum Symbol der Schmerzen und der eigenen Todesnähe.

Das Wilhelm Lehmbruck Museum präsentiert den Konzeptkünstler. Straff gespannte Schnüre zwischen Decke und Boden sind mit Holzpflöcken im Boden verankert. Sie markieren einen Raum, der durchlässig ist. Auf den Hölzern sind die Daten der Bombardierung Duisburgs notiert, wodurch das Werk genau "geerdet" wird.

Hoehme hat stets Abstraktes und Konkretes, Zitate aus Literatur und Musik mit Schnüren, Blasen oder Fahrrad-Ventilen zur Einheit gebracht. "Loreley" zeigt einen Kunststoff-Regenbogen, der mit Eisenmanschetten zusammengehalten wird und sich in transparenten Schläuchen wie eine Gischt auf den Boden ergießt.

Überraschend sind die Papierarbeiten im Museum Kunst Palast. "Zwischen Schwarz und Rot" heißt eine Folge, die die Deutschland-Flagge pervertiert und deren Figuren sich in einer Blut-Orgie auflösen.

Hoehme findet zu dynamischen Figuren, zerlegt den Körper in fast schon filmische Sequenzen und findet um 1965 zu wunderbar poesievollen Aquarellen, als träume er sich vom Fenstermotiv aus in eine neue, freiere Welt.

Eine Schattenhand korrespondiert mit einer flüchtig auf Metallfolie hingehuschten Figur. Schaut man in die Folie, trifft man auf sein eigenes Konterfei und hat das, wonach Hoehme stets suchte: den Dialog der Kunst mit dem Raum und den Menschen im Raum. Hoehme war nicht nur der große Kämpfer, sondern auch der Lyriker, dessen Sensibilität in dieser Form noch nie zur Sprache gekommen ist.