Vorsicht Fälschung: Kyrillisch auf dem Euro-Schein

Vorsicht Fälschung: Kyrillisch auf dem Euro-Schein

Viele falsche Geldscheine kommen aus Osteuropa. Doch insgesamt gab es noch nie so wenige Blüten wie 2011.

Frankfurt. Wie eine Trophäe hält Franz-Josef Behringer den grünen Schein mit dem „100-Euro“-Aufdruck in die Höhe. Er zeigt auf einen kyrillischen Schriftzug unter dem Euro-Logo. „Gilt nicht als Zahlungsmittel“, übersetzt Behringer, der bei der Bundesbank für Falschgeld zuständig ist. „Diese Fälschungen werden auf Märkten in Russland und der Ukraine verkauft.“ An den guten Zahlen ändern sie jedoch nichts: Die Menge der Euro-Blüten lag in Deutschland 2011 auf einem Rekordtief, auch wenn die Notenbank etwas mehr osteuropäische „Souvenirs“ aus dem Verkehr gezogen hat.

In Berlin flog ein Student mit ähnlichen Blüten auf, als er in einer Bar damit bezahlen wollte. Vermutlich verrieten ihn am Ende doch die kyrillischen Zeichen. Die Polizei fand insgesamt 86 nachgemachte Euro-Scheine bei ihm. Und das war kein Einzelfall. Seit 2009 wurden bis zu 8000 dieser Scheine in Deutschland registriert.

Von der Polizei kommen die Blüten zur Bundesbank, manche landen bei Behringer. „Die meisten Fälschungen sind von nicht besonders hoher Qualität“, sagt er und hält die nachgemachte Note gegen das Licht. Er deutet auf die Stelle, an der das Wasserzeichen erscheinen müsste. Das Papier aber bleibt weiß. Für die meisten Banden lohne es sich nicht, mehr Aufwand in Blüten zu investieren — denn auch plumpe Fälschungen werden oft zu spät erkannt.

Der Trend zeigt dennoch nach unten: Seit Einführung des Euro-Bargeldes Anfang 2002 war es in Deutschland noch nie so unwahrscheinlich Falschgeld zu bekommen wie 2011. „In Deutschland müssten Sie 2000 Jahre alt werden, um rein rechnerisch ein Mal eine falsche Banknote in der Hand zu halten“, sagt Behringer. 2011 zogen Polizei, Handel und Banken mit 39 000 Blüten rund ein Drittel weniger nachgemachte Scheine aus dem Verkehr als 2010.

„Wer gewerbsmäßig Falschgeld in Umlauf bringt, begeht ein Verbrechen, auf das eine Mindeststrafe von zwei Jahren steht“, sagt Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele. Das sei ein Grund, warum sich Fälscher in Deutschland dreimal überlegten, ob sie für ein paar Euro solch ein Risiko eingingen.

Gleich mehrere Erfolge konnten die europäischen Falschgeldjäger im vergangenen Jahr verbuchen. Die Ermittler ließen Werkstätten in vier Ländern hochgehen. „Wenn Fälschungswerkstätten ausgehoben werden, können wir schon registrieren, dass eine ganze Klasse von Fälschungen verschwindet“, sagt Behringer.