Remis im „Klassiker“: Barcelona fast Meister

Remis im „Klassiker“: Barcelona fast Meister

Madrid (dpa) - Real Madrid schien gegen den FC Barcelona schon verloren zu haben. Die „Königlichen“ lagen 0:1 zurück und spielten in Unterzahl. Der eingewechselte Mesut Özil sorgte jedoch für die Wende.

Sami Khedira verpasste beim 1:1 hingegen seinen Aufstieg zum „Clásico“-Held.

Unterschiedlicher hätte die Gefühlswelt für die beiden „königlichen“ Deutschen nach ihrem zweiten „Clásico“ kaum sein können. Während Sami Khedira kurz vor Schluss seine Krönung zum Klassiker-Helden verpasste, gehörte der eingewechselte Mesut Özil beim 1:1 von Real Madrid gegen den FC Barcelona zu den wenigen Gewinnern. Und auch insgesamt hinterließ das erste von vier Duellen binnen zweieinhalb Wochen bei den Madrilenen einen Zwiespalt. Durch den späten Ausgleich von Cristiano Ronaldo (82. Minute/Foulelfmeter) holten sie zu zehnt zwar Selbstvertrauen für das Pokalfinale am kommenden Mittwoch gegen Barça, die Meisterschaft ist jedoch so gut wie verloren.

Die „Madridista“ erhoben sich nach dem Schlusspfiff auf der Tribüne und würdigten die kämpferische Leistung mit Applaus, José Mourinho ließ sich davon aber nicht besänftigen. Der Real-Trainer lamentierte nach der Partie - wieder einmal - über den Schiedsrichter. „Ich bin es leid, gegen Barça immer in Unterzahl spielen zu müssen“, schimpfte der Portugiese. Raúl Albiol hatte für sein Foul vor dem Elfmetertor von Weltfußballer Lionel Messi (52.) die Rote Karte gesehen.

Fünf Minuten später brachte Mourinho den zuvor geschonten Özil - und der frühere Bremer sorgte direkt für Schwung im zuvor lahmenden Madrider Angriffsspiel. „Er gab der Partie eine Wende“, lobte das Sportblatt „As“ den Deutschen. „Seine Spielführung war sensationell, seine Pässe waren genial.“ Nationalmannschaftskollege Khedira hatte kurz vor dem Abpfiff sogar den Siegtreffer für Real auf dem Fuß, scheiterte mit seinem Schuss aus 16 Metern aber an Torwart Víctor Valdés.

Der Auftakt des „Clásico“-Marathons stellte im Grunde alle Seiten zufrieden. Der FC Barcelona versäumte es zwar, mehr Tore zu schießen, aber Trainer Josep Guardiola trauerte dem verpassten Sieg nicht nach. „Ein Remis im Bernabéu-Stadion ist ein gutes Ergebnis“, sagte der Barça-Coach.

Die Katalanen verteidigten mit dem 1:1 sechs Spieltage vor Saisonende ihren Acht-Punkte-Vorsprung an der Spitze der Primera División. Sie haben zudem die bessere Tordifferenz im direkten Vergleich und das leichtere Restprogramm. Nach dem Finale um den „Königspokal“ am 20. April stehen sich Real und Barça am 27. April und am 3. Mai auch im Halbfinale der Champions League gegenüber.

Die Madrilenen, die zuletzt fünf „Clásicos“ in Serie verloren und in der Hinrunde gar eine 0:5-Pleite erlebt hatten, begannen mit einer Defensivtaktik und setzten im heimischen Stadion wie eine Gäste-Elf auf Konter. So etwas dürfte in der jüngeren Vereinsgeschichte ziemlich einmalig sein und passt auch nicht zum Selbstverständnis der „Königlichen“. „Das Spiel begann hässlich und endete ruppig“, bemängelte die Zeitung „El País“. „Guter Fußball blieb beim Auftakt des Klassiker-Marathons Mangelware.“

Mourinho hatte schon vor dem Spiel an die Platzverweise erinnert, die es für Akteure seiner Ex-Clubs FC Chelsea und Inter Mailand gegeben hatte, und gelästert: „Am besten trainieren wir das Spiel mit zehn Mann.“ Dabei gab es an der Roten Karte, die Albiol wegen einer Notbremse bekommen hatte, eigentlich nichts auszusetzen. Mourinho kreidete dem Unparteiischen aber an, den Barça-Verteidiger Dani Alves nach einem Foul im Strafraum nicht ebenfalls vom Platz gestellt zu haben.

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