Gladbach holt sich gegen Augsburg die Tabellenführung - So war das Spiel

Borussia Mönchengladbach : Gladbach holt sich gegen Augsburg die Tabellenführung - So war das Spiel

Gladbach im Jubelrausch – und das nur rund 64 Stunden nach dem schwachen Auftritt in der Europa League in Istanbul. Trainer Rose will nicht meckern.

Borussia Mönchengladbach ist an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga gestürmt. Die Elf vom Niederrhein setzte sich am 7. Spieltag im heimischen Borussia-Park gegen den FC Augsburg mit 5:1 (4:0) durch und zog somit an Konkurrenten wie Bayern München und Dortmund vorbei. Zakaria, Herrmann per Doppelpack, Plea und Embolo trafen für den VfL, den Augsburger Ehrentreffer erzielte Niederlechner. Gladbach im Jubelrausch – und das nur rund 64 Stunden nach dem schwachen Auftritt in der Europa League in Istanbul.

Der Spieler des Spiels: Der heißt Patrick Herrmann. Gladbachs Eigengewächs liefert eines seiner besten Spiele im Trikot des VfL Borussia ab. Herrmann ist von Beginn mit Feuer im Spiel, vermag es, bis zum Schlusspfiff in nahezu jedem Zweikampf alles reinzuwerfen. Darüber hinaus gelingt es ihm, einen Doppelpack zu schnüren plus das 5:1 durch Embolo vorzubereiten. Dass ihn das Gladbacher Publikum am Ende mit Standing Ovations feiert, ist die verdiente Anerkennung einer beachtlichen Leistung. Herrmann hat allen, die ihn vermeintlich schon abgeschrieben hatten, ein klares Statement gesendet. Um sich an dieser Stelle dem drolligen Duktus von Lucien Favre zu bedienen: Vergessen sie Herrmann nicht! Dieser sagt später: „Es ist ein schöner Tag – nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert und verdient so hoch gewonnen. Insbesondere in der ersten Halbzeit haben wir viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Der Moment des Spiels: Auch daran ist Herrmann beteiligt. Das Gladbacher Publikum singt „Oh, wie ist das schön“, fordert dann Herrmann auf, auf den Zaun vor der Nordkurve zu klettern und die Sieger-Lieder mit den VfL-Treuen anzustimmen. Basis und Mannschaft kommen sich in diesem Moment ganz nahe – womöglich so nahe, wie schon seit Monaten nicht mehr.

Der Joker des Spiels: Der heißt Breel Embolo. Nach Borussias 3:0 in Hoffenheim hatte der Schweizer angekündigt, so bald wie möglich wieder in der Liga für die Fohlen treffen zu wollen. Nur einer Woche setzte der Stürmer dies, dank Herrmanns Vorarbeit, bravourös um.

Die Verletzten des Spiels: Mit Lainer, Ginter und Plea hat Gladbach gleich drei Verletzte nach dem Schlusspfiff zu beklagen gehabt. Gut möglich, dass alle drei vorerst ausfallen. Nationalspieler Ginter musste Bundestrainer Löw wegen einer Schulterverletzung bereits für die anstehende Länderspielwoche absagen. Borussia will am Montag weitere Informationen herausgeben.

Die Chronologie des Spiels:

Was war das für ein fulminanter Blitzstart der Elf von Coach Marco Rose. Bereits nach 108 Sekunden schlug die Kugel im Netz der Augsburger ein. Thuram bediente Zakaria, der vollendete zum 1:0. Gladbach spielte im Anschluss wie entfesselt. Bensebaini schickte Plea, der servierte mustergültig auf Herrmann, 2:0. Erneut legte Plea Ur-Borusse Herrmann perfekt auf, erneut vollstreckte dieser eiskalt, 3:0, Herrmanns erster Doppelpack seit April 2015. Nach 13 Minuten war die Partie entschieden. Dann leistete sich Augsburgs Keeper Koubek einen dicken Bock, senste über den Ball und legten diesen so Plea mustergültig vor, statt zu klären. Der Franzose sagte „Danke!“, in dem er auf 4:0 stellte. Die beste Chance des FCA hatte Hahn, doch dessen Heber flog am Tor vorbei.

Kurz nach der Pause forderten die Fans einen Handelfmeter, wollten Hahns Arm bei einem Augsburger Klärungsversuch am Ball gesehen haben - Schiedsrichter Robert Schröder ließ aber weiterspielen. Es folgte ein Schreckmoment im Gladbacher Spitzenreiter-Jubel. Rechtsverteidiger Lainer musste nach einer Rettungstat gegen Vargas verletzt (Sprunggelenk) ausgewechselt werden. Das sah nicht gut aus. Hielt die Fohlen aber nicht davon ab, weiter zu stürmen. Embolo legte Zakaria auf, dessen Geschoss wurde auf der Linie noch geklärt. Dusel für die Augsburger, die den direkten Konter fuhren, Niederlechner stürmte auf Sommer zu, der den Schuss noch an den Pfosten lenkte. Aber: Ginter hatte sich beim Versuch, Niederlechner zu stoppen, verletzt. Der Nationalspieler musste mit einer Schulter-Verletzung raus. Borussia spielte in Unterzahl zunächst weiter, nutzte Augsburg prompt aus, Niederlechner traf zum Ehrentreffer. Aber: Die Fohlen antworteten sofort. Herrmann bediente Embolo, Schuss, 5:1. Die Fans waren wieder aus Häuschen, feierten ihre Spitzenreiter. „Die Nummer eins am Rhein sind wir!“ – dann war Schluss. Gladbach geht als Liga-Primus in die Länderspielpause.

Weitere Stimmen zum Spiel:

Martin Schmidt (Trainer FC Augsburg):

„Man kann davon ausgehen, dass wenn wir in der ersten Viertelstunde 0:3 zurückliegen, wir nicht wirklich da gewesen sind. Die ersten zwei, drei Tore waren alle nach dem gleichen Muster. Wir haben auf der Außenseite zu wenig Druck aufgebaut und hatten Stellungsfehler. Das Umschaltverhalten hat auch nicht funktioniert und wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das Wieso und Warum müssen wir jetzt unbedingt analysieren, denn das war so nicht absehbar. So eine Partie erlebt man als Trainer und Spieler nicht allzu oft. In der zweiten Hälfte haben wir es besser gemacht. Wir haben sie zwar nicht gewonnen, aber auch nicht verloren. Das war wichtig für die Mannschaft.“

Marco Rose (Trainer Borussia Mönchengladbach):

„Trainer haben eigentlich grundsätzlich immer etwas zu meckern – aber diese Mal will und muss ich nicht meckern. Wir haben sehr viel richtig gemacht. Auf dem Platz haben wir viele richtige Entscheidungen getroffen. Wir haben ein unheimlich gutes Gegenpressing gespielt, haben fleißig und kompakt gegen den Ball gearbeitet und waren vor allem in der ersten Halbzeit sehr effektiv. Insgesamt war es einfach ein richtig gutes Spiel meiner Jungs. Deswegen freuen wir uns über den Sieg sehr. Dass wir die Tabellenführung übernommen haben ist eine schöne Momentaufnahme. In den vergangenen Wochen haben wir aber gemerkt, dass es auch schnell in die andere Richtung kippen kann. Daher wissen wir, dies einzuordnen.“

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