Vorsitzender der Türkischen Gemeinde kritisiert Polizeieinsatz

Gladbach-Spiel in Istanbul : Vorsitzender der Türkischen Gemeinde kritisiert Polizeieinsatz

Beim Europa-League-Spiel von Borussia Mönchengladbach in Istanbul wurden Fans Fahnen abgenommen, da diese christliche Symbole zeigten. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland findet dafür deutliche Worte.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland hat das Vorgehen der Polizei gegen Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach als vollkommen inakzeptabel bezeichnet. „Ich finde es verheerend, was da passiert ist“, sagte Gökay Sofuoglu der „Welt“ (Samstag).

Am Rande des Europa-League-Spiels (1:1) der Gladbacher bei Basaksehir Istanbul hatten Polizisten am Donnerstagabend den Borussen-Fans Fahnen abgenommen, weil diese christliche Symbole gezeigt hätten. Dabei handelte sich um das Stadtwappen Mönchengladbachs, in dem unter anderem ein Kreuz abgebildet ist. Zudem war es nach Clubangaben vor dem Spiel zu Rangeleien gekommen. Zwei Borussen-Fans waren vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, weil sie angeblich Polizisten geschlagen haben sollen. Videoaufnahmen bewiesen aber das Gegenteil. Für Unmut sorgte auch der Zwang für die rund 1400 Gladbacher Fans, in Bussen anzureisen.

„Das ist lächerlich. Ein Kreuz in der Türkei zu tragen, ist nicht verboten. Das zeigt, dass die Willkür der Polizei immer mehr zunimmt“, sagte Sofuoglu. Die Türkei befinde sich gerade in einer politischen Umbruchsituation. Dafür werde auch Deutschland mitverantwortlich gemacht. „Ich könnte mir vorstellen, dass da im Hintergrund mitschwingt, dass man den Deutschen einmal zeigen wollte, wer Herr im Haus ist“, meinte Sofuoglu.

Borussia-Manager Max Eberl hatte nach der Partie von „Polizeidiktatur“ gesprochen. Dieser Begriff sei laut Sofuoglu überzogen, er helfe in der Auseinandersetzung nicht wirklich weiter. Das Verhalten der Polizei könnte aber eine „Solidaritätsgeste an die Fans und den Verein“ gewesen sein. Mitbegründer des Retortenclubs Basaksehir war der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

(dpa)
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