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Trotz Insolvenz - Millionengarantie für Air-Berlin-Chef Winkelmann

Trotz Insolvenz - Millionengarantie für Air-Berlin-Chef Winkelmann

Gehalt von Air-Berlin-Chef Winkelmann ist trotz Insolvenz bis 2021 abgesichert. Der Transfergesellschaft für Beschäftigte fehlt das Geld.

Düsseldorf. Während Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin von Entlassung bedroht sind und finanziell vor einer ungewissen Zukunft stehen, ist Firmenchef Thomas Winkelmann bestens abgesichert. Wie im Geschäftsbericht von Air Berlin für 2016 auf den Seiten 75/76 nachzulesen ist, sind die Ansprüche des 57-Jährigen bis 2021 durch eine unwiderrufliche Bankgarantie in Höhe von 4,5 Millionen Euro abgesichert — und damit auch vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt.

Der frühere Lufthansa-Manager Winkelmann wechselte im Februar dieses Jahres auf den Chefposten bei Air Berlin. Die mögliche Pleite der Airline war damals bereits absehbar. Um Nachteile bei seinen Pensionsansprüchen zu kompensieren, gewährte der neue Arbeitgeber ihm eine Zahlung von 300.000 Euro. Als jährliches Grundgehalt wurden 950.000 Euro vereinbart. Für 2017 gab es zudem einen Mindestbonus von 400.000 Euro. Trotz Insolvenz bekommt Winkelmann sein Grundgehalt — auch im Fall einer ordentlichen Kündigung — bis zum 31. Januar 2021 ausbezahlt.

Scharfe Kritik an dieser Regelung kommt von CDU und SPD. „Die Gehaltsgarantie muss vor Beendigung des Insolvenzverfahrens einer Prüfung unterzogen werden, da sie offensichtlich für den Fall der Insolvenz getroffen wurde“, sagte Christian Bäumler, Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft.

SPD-Vize Ralf Stegner sagte, es habe mit sozialer Marktwirtschaft „rein gar nichts zu tun, wenn für Spitzenmanager im Insolvenzfall Riesengehälter abgesichert werden und Beschäftigte und Steuerzahler dafür auch noch die Zeche zahlen müssen“.

Ob es zur Gründung einer Transfergesellschaft kommt, die die Mitarbeiter von Air Berlin für maximal zwölf Monate vor der Arbeitslosigkeit bewahren könnte, ist offen. Noch fehlt es an Geld. Air Berlin ist bereit, sich zu beteiligen, die Lufthansa bisher nicht. Ziel einer Transfergesellschaft ist es, Zeit zu gewinnen, um die Beschäftigten an andere Arbeitgeber zu vermitteln.

Wie NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte, ist das Land bereit, sich an sogenannten Overheadkosten etwa für die Verwaltung einer Transfergesellschaft zu beteiligen. Die Beiträge zur Sozialversicherung müssten aber von den Firmen getragen werden. Von der Bundesagentur für Arbeit komme das Transferkurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes.

Die Lufthansa übernimmt 81 der zuletzt 134 Maschinen von Air Berlin. Dadurch könnten bis zu 3000 von etwa 8000 Beschäftigten der insolventen Gesellschaft im Lufthansa-Konzern eine Anstellung finden, wenn auch mit zum Teil drastischen Gehaltseinbußen. Unklar bleibt, wie es für die übrigen 5000 Beschäftigten weitergeht. Neben den Crews geht es um das Bodenpersonal und Technik-Mitarbeiter. Verhandlungen zur Übernahme von Maschinen samt Start- und Landerechten laufen seit Wochen mit der britischen Billiglinie Easyjet.

Im Wirtschaftsausschuss des Landtags äußerte Minister Pinkwart am Mittwoch Zweifel, ob die Bildung einer Transfergesellschaft überhaupt notwendig sei. „Wir haben in vielen Bereichen Fachkräftemangel. Ich bin sicher, dass viele Beschäftigte von Air Berlin in relativ kurzer Zeit einen neuen Arbeitgeber finden“, so der FDP-Politiker. Er verwies dabei auf eine Jobbörse, die am 26. Oktober in Düsseldorf für die Air-Berlin-Beschäftigten stattfinden soll. Die Airline hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und wird Ende Oktober ihren Betrieb beenden.