AfD-Gründer Bernd Lucke: „Der Süden muss aus dem Euro“

AfD-Gründer Bernd Lucke: „Der Süden muss aus dem Euro“

Parteigründer Bernd Lucke über die Ziele seiner „Alternative für Deutschland“ und die innerparteilichen Querelen.

Berlin. Der Schrecken der CDU lebt in Winsen an der Luhe, hat fünf Kinder, redet geschliffen. Bernd Lucke, Ökonomie-Professor, macht mit seiner Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“ Furore. Über seine Ziele sprach unsere Zeitung mit dem 50-jährigen Gründer und Chef der neuen Partei.

Herr Lucke, wollen Sie Deutschland ruinieren?

Bernd Lucke: Warum sollten wir das tun?

Weil Sie die D-Mark wieder einführen wollen.

Lucke: Wir wollen nicht die D-Mark wieder einführen, sondern wir wollen, dass die Südländer aus dem Euro ausscheiden. Und dass im restlichen Eurogebiet ein striktes Verbot gilt, für die Schulden anderer Staaten zu haften. Das muss für jeden Bürger einklagbar sein. Und wir wollen ein Recht, aus dem Euro auszutreten. Nur wenn die Partner sich einer solchen Änderung der Verträge verweigern, wäre es besser, zur D-Mark zurückzukehren. Und das würde Deutschland gewiss nicht ruinieren.

Das wird noch nicht einmal von den Linken, sondern nur von Oskar Lafontaine geteilt.

Lucke: Nein, das wird von allen im Bundestag geteilt, die ein wenig von der Sache verstehen. Oskar Lafontaine zählt dazu, aber auch Frank Schäffler von der FDP und Klaus Peter Willsch von der CDU.

Die Euro-Rebellen.

Lucke: Die gibt es in allen Fraktionen. Und dann gibt es noch viele Abgeordnete, die mir im persönlichen Gespräch sagen: Wir verstehen nichts von dem Thema, deswegen folgen wir der Fraktionsführung.

Sie sind 33 Jahre CDU-Mitglied gewesen. Warum haben Sie nicht in Ihrer Partei für Ihren Standpunkt geworben?

Lucke: In der CDU erfolgt keine demokratische Meinungsbildung von unten. Die Linie wird im Kanzleramt entschieden und dann durchgesetzt. Denken Sie nur an den Atomausstieg, wo eine 180-Grad-Wende absolut widerspruchslos durchgezogen wurde.

Viele bürgerliche Wähler fürchten, dass Stimmen für Sie die entscheidenden Stimmen sein könnten, die Angela Merkel am Ende im Bundestag für eine Mehrheit fehlen.

Lucke: Das ist eine Journalistenthese. Aber das Argument ist nicht überzeugend. Wer uns wählt, findet, dass Angela Merkel eine schlechte Bundeskanzlerin ist, und dass Wolfgang Schäuble ein schlechter Finanzminister ist, weil beide unverantwortlich mit deutschem Steuergeld umgehen. Wer uns wählt, ist mit der CDU fertig. Ohne uns würde er nicht wählen — oder die Opposition. Wir schwächen also die Opposition. Wir verhindern, dass sie Wähler gewinnt, und nehmen ihr übrigens ebenfalls viele weg.

Es gab erhebliche Querelen in zahlreichen Ihrer Landesverbände.

Lucke: Ja, aber die klingen jetzt ab. Es handelte sich immer um Personalquerelen, was auch normal ist, weil so viele Personalentscheidungen getroffen werden mussten. Es hat keinerlei inhaltlichen Streit gegeben.

Die „Alternative für Deutschland“ ist in vier Monaten auf über 15 000 Mitglieder hochgeschossen. Überblicken Sie noch, was da überall passiert? Insbesondere, ob auch Rechtsextreme bei Ihnen Unterschlupf suchen.

Lucke: Unsere Landesverbände passen außerordentlich genau auf, welche Leute sich unserer Partei nähern. Schon weil wir unter konstanter medialer Beobachtung stehen.

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