Staatsgeheimnis: Das „Fort Knox“ der Bundesbank

Staatsgeheimnis: Das „Fort Knox“ der Bundesbank

In einem verborgenen Bunker an der Mosel lagerte bis Ende der 1980er Jahre eine Ersatzwährung für den Krisenfall.

Cochem. Bis unter die Decke stapelte sich das Geld. Allein im Gitterverschlag Nr. 2 des Tresorraums lagen 840 Säcke mit Scheinen einer nie in Umlauf gegangenen D-Mark-Serie. Das zeigen heute noch Notizen an den leeren Boxen im Geheimbunker der Bundesbank an der Mosel.

Die Tarnung der Anlage von 1962 war gewagt: Mitten in einem Wohngebiet in Cochem wurde die Ersatzwährung 25 Jahre lang für den Krisenfall versteckt. Unter einem Schulungs- und Erholungsheim der Bank lagerten 15 Milliarden D-Mark. Das bestätigte die Frankfurter Zentralbank kürzlich. Das Geld ist weg, jetzt soll die Anlage erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Etwa 30 Meter unter der Erde wirkt die verlassene Bunkeranlage fast gespenstisch: Hier flackert das Licht einer Leuchtstoffröhre in einem der scheinbar endlosen Gänge, dort tickt es in einem Telefon. Jedes noch so kleine Geräusch hallt durch den Bunker.

Unter dem Eindruck von Mauerbau und Kuba-Krise bereitete sich die Bundesrepublik Anfang der 1960er Jahre "sehr intensiv und sehr strukturiert" auf einen dritten Weltkrieg vor, erklärt Jörg Diester, der die Anlage jahrelang erforscht hat. "Es gab eine echte Angst, dass es wieder losgeht." Zu den Vorkehrungen gehörte auch das Vorhalten einer Notstandswährung. Sie sollte bei einer Hyperinflation als Zahlungsmittel für stabile Verhältnisse sorgen.

In Cochem kaufte die Bundesbank deshalb das an einem Berg gelegene Anwesen eines Arztes sowie weitere Grundstücke mit insgesamt 9000 Quadratmetern Fläche. Zwei Jahre lang dauerten danach die Arbeiten zum Bau eines unterirdischen Luftschutzbunkers, wie es offiziell hieß. Noch lange nach der Fertigstellung kamen jedoch Lieferungen für die Anlage, das blieb den Nachbarn nicht verborgen.

"Man hat natürlich spekuliert", sagt Peter Peifer, der damals in der Nähe aufwuchs. Einige hätten gar vermutet, dass dort Gold eingelagert wurde - quasi als deutsches "Fort Knox". Tatsächlich wurden aber bis 1969 Geldscheine der sogenannten BBK-Serie II angeliefert, die den gültigen Mark-Noten ähnelten.

Noch vor der Wende wurde das gesamte Geld 1988 abtransportiert und vernichtet. Die Gründe dafür sind unklar. Das Schulungsheim wurde bis 1994 betrieben, danach verkauft. Heute steht alles leer.

"Es gibt die Idee, den Bunker und seine Geschichte zum Bestandteil von touristischen und pädagogischen Konzepten zu machen", sagt Diester und denkt an ein Museum.

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