Porträt: Luise Rainer - Der Hollywoodstar aus Düsseldorf

Porträt: Luise Rainer - Der Hollywoodstar aus Düsseldorf

Luise Rainer hat zwei Oscars gewonnen, einen davon verschenkt, und lebt mit fast 100 Jahren in London.

London/Düsseldorf. Es gibt vieles, was man mit einem Oscar machen kann: Prominent platzieren, verehren, damit prahlen. Ganz anders Luise Rainer, zweifache deutsche Oscar-Gewinnerin: "Ich habe einen Oscar einem Möbelpacker gegeben." Die Figur sei sowieso durch ihre Funktion als Türstopper angeschlagen gewesen. Rainer lacht. Der Schalk sitzt ihr im Nacken - auch mit fast 100 Jahren.

Rainer ist die älteste Oscar-Preisträgerin, die noch lebt. Sie spielte in den 30er Jahren mit Greta Garbo und Marlene Dietrich in einer Liga. Dass sie als erste Schauspielerin zwei Oscars hintereinander für die beste Hauptrolle gewonnen hat, findet sie nebensächlich. Dabei hat das nach ihr nur noch Katharine Hepburn geschafft.

Rainer wurde 1910 in Düsseldorf als Tochter jüdischer Eltern geboren. Sie hatte sich bereits als Jungschauspielerin einen Namen gemacht, als "so ein Gehilfe" von Louis B. Mayer, Studioboss in Hollywood, sie 1935 in Wien entdeckte.

Doch nach dreieinhalb Jahren hatte sie schon genug von der Traumfabrik. Zu viel "Unsinn" sei da produziert worden. "Es ging nur ums Geld - und Partys, Partys. Ich war ein Werkzeug in einer riesigen Fabrik", sagt sie. Rainer machte aber nicht nur Party. Sie half Ernest Hemingway im spanischen Bürgerkrieg. Für Bertolt Brecht unterschrieb sie eine Bürgschaft, die ihm die Einreise in die USA ermöglichte. Auch ihre Eltern konnte sie aus Nazi-Deutschland retten.

Mit leuchtenden Augen spricht sie von dem Tag, an dem sie dem "Tam-Tam" ein Ende machte. "Ich hatte meinem Friseur gesagt, dass ich aus Hollywood weg will. Wenig später rief mich Louis B. Mayer ins Büro. "Er sagte: ,Miss Rainer, wir haben sie berühmt gemacht, und wir werden sie vernichten.’" Da habe sie gesagt: "Mister Mayer, Sie sind ein alter Mann. Wenn ich 40 bin, wie all Ihre großen Schauspielerinnen, dann sind Sie lange tot."

Ob sie bereut, dass ihre Filmkarriere so schnell wieder vorbei war? "Wieso, ich habe doch nachher noch Filme gemacht." Nun ja, es waren keine großen mehr, ihren letzten Auftritt hatte sie mit fast 90 Jahren in "Der Spieler". Und Fellini wollte sie 1960 unbedingt für die Hauptrolle in "La Dolce Vita" haben. "Er fiel auf die Knie, bombardierte mich mit Telegrammen." Doch Rainer lehnte die Rolle ab: "Ich sollte mit ihm Sex haben." Nicht mit Fellini! Mit dem Schauspieler Marcello Mastroianni, vor laufender Kamera.

47 Jahre war Luise Rainer mit dem Publizisten Robert Knittel verheiratet. Seit seinem Tod vor 20 Jahren lebt die zarte und lebhafte Frau allein in einem Haus am noblen Londoner Eaton Square, in dem einst Vivien Leigh gewohnt hat. Ein Hausmädchen serviert Tee und schaut nach dem Rechten. Die Sache mit dem verschenkten Oscar hat ihr übrigens schnell Leid getan. Als die Möbelpacker damals weg waren, hat sie umgehend in Hollywood angerufen: "Die haben mir gleich einen neuen geschickt."

Mehr von Westdeutsche Zeitung