Schule: Neues G9: Das ändert sich in der Sekundarstufe I

Schule: Neues G9: Das ändert sich in der Sekundarstufe I

Bei der Verteilung der Wochenstunden für die Sekundarstufe I lässt Schulministerin Gebauer (FDP) nur behutsame Weichenstellungen erkennen.

Düsseldorf. Mitte Juli hatte der Landtag das Gesetz über die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) beschlossen. Am Donnerstag legte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) den Entwurf der neuen G9-Stundentafel für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) vor. „Die Stundentafel ist der Rahmen für das Bild der Lehrpläne“, so die Ministerin. Bei der Aktualisierung der 25 Kernlehrpläne für das Gymnasium durch das Landesinstitut QUA-LiS befinde man sich im Zeitplan. Sie sollen im März 2019 veröffentlicht werden und danach in die Verbändebeteiligung gehen.

Chemie, Englisch, Informatik: Über die Verteilung der Wochenstunden auf die einzelnen Fächer oder Lernbereiche entscheidet die Stundentafel. Seit Donnerstag liegt sie für G9 vor. Foto: Felix Kästle

Parallel arbeitet das Ministerium an der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I, die auch die Stundentafel und damit die Verteilung der Wochenstunden auf die Fächer beinhaltet. Der Entwurf soll Ende dieses Jahres vorliegen. Mit der am Donnerstag vorgezogenen Veröffentlichung der Stundentafel reagiert Gebauer auf Forderungen von Schulleitern, Lehrerverbänden und Landeselternschaft: Sie hatten mit Blick auf die G9-Einführung im kommenden Schuljahr frühzeitigere Planungssicherheit verlangt.

Chemie, Englisch, Informatik: Über die Verteilung der Wochenstunden auf die einzelnen Fächer oder Lernbereiche entscheidet die Stundentafel. Seit Donnerstag liegt sie für G9 vor. Foto: dpa

Seit Donnerstag können sie beruhigt sein. Überraschungen blieben aus, die Stundenverteilung lässt allenfalls zarte politische Weichenstellungen erkennen. Gebauer vermeidet jeden radikalen Kurswechsel. Wie angekündigt sind 180 Gesamtwochenstunden für die Klassen 5 bis 10 Pflicht. Das macht pro Jahrgang im Schnitt 30 Wochenstunden, was bei fünf Unterrichtstagen à sechs Stunden bedeutet, „dass die Gymnasien grundsätzlich ohne Nachmittagsunterricht auskommen können“, so Gebauer.

Allerdings sieht die Stundentafel für die Klassen 5 und 6 nur 57 Kernstunden und daher für die Klassen 7 bis 10 insgesamt 123 Kernstunden vor. Das bedeutet für die höheren Klassen einen Schultag pro Woche mit mehr als sechs Stunden. „Das ist aber etwas ganz anderes als eine gebundene Ganztagsschule mit Unterricht bis 15 Uhr an drei Tagen“, sagt die Ministerin. Die Schulen haben aber auch weiterhin die Möglichkeit, den gebundenen Ganztagsbetrieb weiterzuführen, und erhalten dafür wie bisher einen Stellenzuschlag von 20 Prozent. Da eine Wochenstunde (bei 40 Schulwochen im Schuljahr) 40 Unterrichtsstunden entspricht, bedeutet der Sprung von G8 zu G9 für die Sek I ein Plus von 880 bis 1000 Unterrichtsstunden.

Gegenüber dem alten G9 mit 179 Wochenstunden verzeichnet die neuen Stundentafel in keinem Fach weniger Stunden. Im Lernbereich Gesellschaftslehre sind 23 Wochenstunden vorgesehen, davon je sieben für Erdkunde, Geschichte und Politik/Wirtschaft. „Darüber hinausgehende Stunden sollen vorrangig der Stärkung der ökonomischen Bildung dienen“, heißt es in den Fußnoten. Ähnlich im Lernbereich Naturwissenschaften: Dort sind neben je sieben Wochenstunden für Biologie, Chemie und Physik zwei weitere Wochenstunden in der Sek I der Informatik vorbehalten.

Für diese zwei Stunden fällt Dorothea Schäfer, NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, nur die Bezeichnung „lächerlich“ ein: „Das kann bestenfalls ein Zeichen sein.“ Und statt der Stärkung der ökonomischen Bildung würde die GEW eine stärkere politische Bildung bevorzugen. Aber sonst findet auch Schäfer für die Stundentafel lobende Worte, sowohl mit Blick auf die 180 Pflicht- als auch die acht Ergänzungsstunden. „Im Grunde ist das die alte G9-Stundentafel mit kleinen Veränderungen. Und das ist gut für die Schulen.“

Auch vom Philologenverband kommen positive Signale. „Wir können mit der vorliegenden Fassung gut leben“, sagt der NRW-Vorsitzende Peter Silbernagel. „Sie ist ausgewogen, nachvollziehbar und praktikabel.“ Dass es in den höheren Klassen einmal pro Woche Nachmittagsunterricht geben müsse, sei „akzeptabel“. Entscheidend seien jetzt die Kernlehrpläne: Sie dürften sich nicht am mittleren Bildungsabschluss orientieren, sondern müssten an den Oberstufenlehrplänen ausgerichtet sein.

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