Karneval: Ratinger Prinzenpaar setzt ein Zeichen - auch bei Angela Merkel

Karneval : Ratinger Prinzenpaar setzt ein Zeichen - auch bei Angela Merkel

30 Termine die Woche, jetzt eine Reise zu Angela Merkel nach Berlin — Jacinta und Samuel Awasum haben viel zu tun, um ein Zeichen zu setzen.

Düsseldorf. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte es ohnehin der bunteste Termin gewesen sein, der in diesem neuen Jahr bislang auf ihrer Tagesordnung stand: In Berlin empfing sie am Montagnachmittag den Bund Deutscher Karneval sowie Prinzenpaare aus der ganzen Republik. In diesem Jahr war der besondere Anlass aber sogar noch etwas besonderer. Denn mit den Tollitäten Prinz Samuel und seiner Frau Jacinta aus Ratingen hatte Merkel das erste schwarze Prinzenpaar der deutschen Narren-Geschichte zu Gast.

Man kann sich vorstellen, wie Samuel Awasum (34) sich gefühlt hat, als er vor gut 14 Jahren aus Kamerun nach Deutschland kam und zum ersten Mal den rheinischen Karneval erlebt hat. Mindestens verwundert. Dann motiviert. „Ich habe gleich voll angefangen zu sammeln“, erinnert er sich lachend an den ersten Karnevalszug und die Kamelle. Zum Studieren hatte Awasum seine Heimat in Zentralafrika seinerzeit verlassen und war nach Deutschland gekommen. Wie es so geht im Leben: Er bekam im Anschluss einen Job, er blieb. Hier lernte er auch seine Frau Jacinta, ebenfalls aus Kamerun, kennen. Beide sind inzwischen deutsche Staatsbürger.

In Ratingen wohnen die Awasums seit 2013. Und sie kamen rasch an. Nur ein Jahr später leitete der 34-Jährige bereits den Integrationsrat der Stadt. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet bei einer Versicherungsgesellschaft, seine Frau bei der Düsseldorfer Metro. Derzeit ist sie allerdings in Elternzeit. Was für die Regentschaft als Karnevalsprinzessin doch super passt, findet Samuel I.

Trotzdem hätte das Paar sich wohl nicht um das Amt beworben. Kamelle sammeln beim Rosenmontagszug — das reichte den beiden eigentlich. Aber man hat sie ja auch nicht wirklich gefragt. „Ich wurde ganz geheimnisvoll zu einem Termin eingeladen“, erinnert sich Prinz Samuel. Dann saß er beim Ratinger Karnevalsverein. „Und sie haben gesagt: Du wirst unser Karnevalsprinz für die nächste Session.“ Einfach so. Das war beschlossene Sache. Die Jecken wollten ein Zeichen setzen für die Integration. Und Samuel Awasum war sofort dabei. Seine Frau zum Glück auch — trotz Baby.

Bereut haben sie diesen Schritt bislang nicht. „Das, was wir jetzt erleben, ist vom Feinsten“, versichert der Prinz. „Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Von der älteren Dame bis zu ganz jungen Menschen komme man auf ihn und seine Prinzessin zu. „Sie machen alle Party mit uns.“ Und jetzt die Einladung nach Berlin. „Ich dachte, es wäre ein Scherz“, gibt Samuel Awasum zu. Den Präsidenten von Kamerun habe er noch nie live gesehen, und jetzt durfte er „unserer Bundeskanzlerin“ die Hand schütteln. „Das ist kaum zu beschreiben!“

Die Ehre bedeutet andererseits: So selbstverständlich Vielfalt im bunten Brauchtum des Rheinlands sein sollte, so sehr stechen Samuel I. und Jacinta I. eben doch heraus. Der Prinz hofft, dass seine närrische Amtszeit ein weiterer Schritt für die Integration ist. Und er ist sicher: „Unser kleiner Beitrag bewegt schon etwas.“ Nicht nur in den Köpfen der Jecken, sondern auch in der afrikanischen Gemeinschaft weit über Ratingens Grenzen hinaus, die die Regentschaft des Kameruner Paars feiere. „Für sie ist es eine Motivation, sich mehr einzubringen“, erklärt Awasum.

Für ihn selbst bedeutet dieses Zeichen erst einmal jede Menge Stress. 25 bis 30 Termine pro Woche gilt es zu absolvieren — neben dem Job. „Ich muss immer gucken, wie es mit den Terminen passt.“ Und neben einem einjährigen Sohn und der kleinen Tochter (3). Die allerdings hat sich an ihr Los schon gewöhnt und fragt ihre Eltern am Wochenende immer: „Geht ihr wieder zu Ratingen-Helau?“ Für sie ein Synonym für die fünfte Jahreszeit. Samuel und Jacinta überlegen jetzt, sie bei der Tanzgarde anzumelden. Als kleines Funkemariechen. Wenn die Kleine später einmal Karnevalsprinzessin wird, so bleibt zu hoffen, wird das Thema Hautfarbe im Karneval endgültig keine Rolle mehr spielen.

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