d : Pollenalarm - Allergiker haben schon die Nase voll

Mit dem sonnigen Wetter kommt der Heuschnupfen: Der Pollenkalender zeigt für Hasel und Erle eine besonders hohe Belastung an.

. Frühlingszeit ist Frustzeit – zumindest für Pollenallergiker. Auch wenn es noch drei Wochen bis zum Frühlingsanfang dauert, haben viele Menschen bei dem schönen Wetter schon Heuschnupfen-Beschwerden. In Deutschland reagieren rund zwölf Millionen Menschen allergisch auf Pollen, die dann unter Niesanfällen, tränenden Augen, Kopfschmerzen und juckenden Schleimhäuten leiden. Für etwa 90 Prozent aller Allergien sind Pollen von Haselnuss, Erle, Birke, Roggen und Beifuß verantwortlich. Die Blühsaison hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr nach vorn geschoben. Durch die kalten Tage im Januar ging es mit dem Pollenflug  im Februar richtig los. Für Hasel- und Erlenpollen wurden in den vergangenen Tagen Rekordwerte gemessen (siehe Pollenkalender). Wir sprachen mit Carsten Schmidt-Weber, Professor an der Technischen Universität München und Leiter des Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM).

Was ist Heuschnupfen genau?

Mediziner sprechen bei dem Phänomen von allergischer Rhinitis – also einer durch Allergien verursachten Entzündung der Nasenschleimhaut. Auslöser dieser Krankheit können zum Beispiel Hausstaubmilben sein, aber eben auch die Pollen von Pflanzen.

Wann fliegen die meisten Pollen? Und wo?

Was wann unterwegs ist, sagt der Pollenflugkalender. Ein Blick darauf zeigt schnell: Die meisten Pollen sind zwar im Frühjahr unterwegs, frei davon ist aber kaum eine Jahreszeit. „Es gibt zum Beispiel eine neue Erlensorte, die schon im Dezember blüht“, sagt Schmidt-Weber. „Und wenn Sie dann nicht nur darauf reagieren, sondern zum Beispiel auch auf die Ambrosia, die erst im Herbst blüht, haben Sie fast das ganze Jahr damit zu tun.“

Foto: Grafik/kxlm.de

Wer ist betroffen?

Es gibt einen Stadt-Land-Faktor, sagt Schmidt-Weber: In Ballungsräumen tritt Heuschnupfen häufiger auf. Die Gründe dafür seien aber unklar. Zudem ist Heuschnupfen erblich – teilweise. „Wenn schon ein Elternteil das hat, hat das Kind ein höheres Risiko, auch daran zu erkranken“, so der Experte. „Es gibt aber keine Garantie  – und umgekehrt auch keine Sicherheit, es nicht zu bekommen, wenn die Eltern keine Allergien haben.“

Was sind Kreuzallergien?

Eine Allergie gegen bestimmte Pollen geht häufig mit einer Allergie gegen bestimmte Lebensmittel einher – weil sich die darin enthaltenen Allergene, die Allergie-Auslöser also, sehr ähnlich sind. „Wer also zum Beispiel allergisch auf die Birke reagiert, wird wohl auch Probleme mit Hasel, Apfel oder Karotte haben“, erklärt Schmidt-Weber. Typische Symptome sind ein Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen, Rachen oder sogar an den Gehörgängen. Teils kommen auch Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden hinzu.

Was hilft gegen Heuschnupfen?

Langfristig behandeln lässt sich Heuschnupfen mit der Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Die empfiehlt Schmidt-Weber schon bei einer Rhinitis – also noch bevor daraus Asthma wird. Zur Behandlung der Symptome gibt es Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen. Diese Anti-Histaminika haben jedoch Nebenwirkungen – allen voran Müdigkeit. „Das lässt sich vielleicht umgehen, indem man sie abends einnimmt“, sagt Schmidt-Weber.

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