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Wuppertal: Wenn ein vermisstes Kind plötzlich wieder in der Tür steht

Gastbeitrag : Wenn ein vermisstes Kind plötzlich wieder in der Tür steht

Für die Leser der Westdeutschen Zeitung führen zwei junge Wuppertaler Polizisten ein Tagebuch. Max Bieringer, Wuppertaler Kommissar, berichtet von seinen Einsätzen.

Der Frühdienst ist meist geprägt von vielen Verkehrsunfallfluchten und Verkehrsunfällen mit Sachschaden. Eine Verkehrsunfallflucht stellt für die Geschädigten einen sehr ärgerlichen Einsatzanlass dar, denn wenn sich der Verursacher eines Verkehrsunfalls, beispielsweise im Berufsverkehr ohne Feststellung seiner Personalien und Beteiligung entfernt, wird die Schadensregulierung oft teuer, obwohl man selbst nicht schuld an dem Unfall war.
Daher gestaltet sich die Unfallaufnahme am Einsatzort sehr detailliert. Es werden Lichtbilder von der Örtlichkeit, den Schäden und den Fahrzeugen gemacht, um in Kombination mit einer digitalen Skizze, die Unfallörtlichkeit und den Unfallhergang im Nachhinein rekonstruieren zu können.

Spurensicherungsfolie soll es ermöglichen, Lackspuren des verursachenden Fahrzeuges an der Anstoßstelle zu sichern oder gegebenenfalls vorgetäuschte Unfallschäden zu entlarven.

In vielen Fällen gibt es neben den Unfallbeteiligten noch aufmerksame Zeugen, die den Unfall beobachtet haben und anschließend die Daten des Verursachers an uns weitergeben. Kennzeichen und Fahrerbeschreibung können hier extrem hilfreich für die weiteren Ermittlungen sein.

In den Nachtdiensten der vergangenen Wochenenden kam es zu vielen Ruhestörungen, Streitigkeiten und einigen häuslichen Gewalten. Die Ursachen für solche Einsätze sind vielfältig. Neben Geburtstagsfeiern und eskalierenden Ehekrisen können auch Randalierer oder schlichtweg extrem betrunkene hilflose Personen für die polizeilichen Einsätze zur Nachtzeit verantwortlich sein.

Neben Sprachbarrieren und emotional aufgeladenen Sachverhalten im Kreis der engsten Familie, hat man es bei diesen Einsatzanlässen oft mit alkoholisierten oder unter dem Einfluss anderer berauschender Mittel stehender Personen zu tun. Die Kommunikation und Einsatzbewältigung erfordert hier meist ein besonderes Maß an Geduld und eine hohe Aggressionstoleranz.

Neben Beleidigungen, Provokationen und tätlichen Angriffen kommt es auch dazu, dass hilflose Personen und Randalierer die, obwohl sie gegebenenfalls nur zum Schutz ihres eigenen Leib und Lebens in Gewahrsam genommen wurden, den Streifenwagen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Körpersekreten „dekorieren“.

Auf der anderen Seite gab es jedoch auch viele erfreulichere Einsätze. So tauchte beispielweise ein als vermisst gemeldetes Kind noch während der Sachverhaltsaufnahme im Haus der Familie wieder auf. Zur Freude aller Anwesenden hatte man nur eine Schulveranstaltung vergessen und sich „fälschlicherweise“ Sorgen um den kleinen Mann gemacht, der ganz verdutzt in der Tür stand. Ihm war zum Glück nichts passiert und er konnte die Feiertage im Rahmen seiner Familie verbringen.