Wuppertal hat viele Ideen für den Klimaschutz

Nordstadt : Viele Ideen rund um den Klimaschutz

Auftaktveranstaltung lockte rund 100 Bürger in die Mensa der der St. Anna-Schule. Nahversorgung und Möglichkeiten für eine bessere Mobilität waren Themen.

. Die Auftaktveranstaltung zum Programm „Kurze Wege für den Klimaschutz“ lockte zahlreiche Quartierbewohner am Freitagabend in die Mensa der Ölberger St. Anna Schule. Zeitweise diskutierten bis zu 100 Menschen über Möglichkeiten des Klimaschutzes in der Elberfelder Nordstadt.

Eingeladen hatte die Stadt Wuppertal um die Klimaschutzbeauftragte Andrea Stamm. „Es gibt hier im Quartier bereits viele gute Ansätze“, so Stamm zum Fokus des Projektes. Und das zeigte sich bereits zu Beginn der Veranstaltung. Bei einem „Markt der Möglichkeiten“ hatten die Teilnehmer zunächst die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Angebote, Initiativen und Gruppen zu informieren.

Der „Mobile Ölberg“, Greenpeace, ein Carsharing Anbieter und Vertreter des Utopiastadtgartens waren gekommen, um ihre Projekte und Angebote vorzustellen. Vor der Tür der Mensa wartete zudem ein mittlerweile bekannter Gast: Das „Tuk Tuk“, ein aus China importierter Kleintransporter mit Elektro-Antrieb.

An den Thementischen
wurden Ideen gesammelt

Ziel der dreistündigen Veranstaltung war, an drei Thementischen Ideen zu sammeln, die im laufenden Projekt im Frühjahr weiter vertieft werden sollen. Dabei sollen dann die Ideen der Auftaktveranstaltung in konkrete Vorschläge überführt werden. „Wir haben vier Schwerpunkte im Projekt“, erklärt Stamm: Kurze Wege für Kinder, Nahversorgung, Pedelec und Lastenradverleih sowie Carsharing. Letztere wurden am Abend gebündelt diskutiert. Eine konkrete Maßnahme, für die die Stadt Wuppertal Unterstützer sucht, konnte die Klimaschutzbeauftragte bereits vorstellen: Sechs Lastenräder und sechs Pedelecs, also Fahrräder mit unterstützendem Elektroantrieb, sollen in den Verleih gehen. „Wir suchen Akteure, die bereit sind, diesen Verleih zu organisieren“, sagt Stamm. „Wir hoffen, dass wir im Sommer starten können.“ Die Anschaffungskosten trage die Stadt.

Lastenfahrräder und Pedelecs sollen in den Verleih gehen

Neben den Chancen, die die Nordstadt bietet, weiß Stamm aber auch um die Schwierigkeiten im Quartier: „Der Ölberg hat eine Problemlage durch seine dichte Bebauung.“ Hinzu kämen unter anderem Parkplatznot und Elterntaxis. Die waren auch ein bestimmendes Thema am Tisch „Kurze Wege für Kinder“. „Es muss uncool werden, von den Eltern gefahren zu fahren“, wünschte sich eine Teilnehmerin. Der Weg dorthin aus Sicht der Teilnehmer: Tretroller-Stellplätze, ein „walking bus“, bei dem „Gehgemeinschaften“ zur Schule gebildet würden, oder auch die Erstellung von Facharbeiten in der Oberstufe, die sich mit dem Schulumfeld auseinandersetzen und Verbesserungsvorschläge liefern.

Klar wurde aber auch, dass über die konkreten Maßnahmen wahrscheinlich kein schneller Konsens herzustellen ist. Von „Ich befürworte auch repressive Maßnahmen“ – wie etwa Parkverbote – bis zu „Wir benötigen eine Vielzahl kleiner Maßnahmen“, waren die Vorschläge der Diskutanten bunt durchmischt. In der Gruppe „Kurze Wege zum Einkaufen“ war das Bild ähnlich: „Das große Spannungsfeld ist: Das Angebot soll auch spät verfügbar sein, weil viele lang arbeiten. Es soll aber auch lokal und am besten saisonal verfügbar sein und auch eine große Auswahl geben“, präsentierte „Tischreporter“ Felix Buchborn die Diskussionsergebnisse seiner Gruppe dem Plenum.

„Ein Aufzug zum Ölberg“ wurde in der Gruppe „Kurze Wege für alle“ diskutiert. Auch fußgängerfreundliche Ampelschaltungen, mehr Abstellanlagen für Fahrräder, mehr ÖPNV und weniger Raum für Autos gehörten zu den Ideen. Und so zeigte sich Klimaschutzbeauftragte Stamm am Ende des Abends durchweg zufrieden: „Meine größte Sorge war, dass zu wenig Leute kommen könnten“, gestand sie. Dies sei aber nicht eingetroffen. Zudem versprach sie eine umfassende Dokumentation der Ergebnisse für die nachfolgenden Workshops. Am 21. März startet die erste Gruppe zum Thema „Kurze Wege für alle“, am 27. März folgt „Kurze Wege zum Einkaufen“ und am 1. April „Kurze Wege für Kinder“. Alle Termine finden in der Mensa der Hermann-von-Helmholtz-Realschule statt.

Im September 2020 soll dann die Frage beantwortet werden: Kann die Elberfelder Nordstadt in Sachen Klimaschutz ein Vorbild für andere Quartiere sein?

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