Tour in Wuppertal: Graphic Novel erinnert an Jugendliche im Widerstand

Gegen das Vergessen : Graphic Novel erinnert an Jugendliche im Widerstand

Hamed Eshrat und Jochen Voit zeigen ihren Band an der Gesamtschule Barmen.

Widerstand gegen Hitler war möglich – das zeigt die Geschichte von fünf Schülern, die ab 1943 in Erfurt aktiv wurden. Mit Flugblättern protestierten die Jugendlichen gegen das NS-Regime, forderten Frieden und die Rückkehr zur Demokratie. Die fünf Freunde haben Zeichner Hamed Eshrat und Autor Jochen Voit zu Helden einer Graphic Novel gemacht, die im vergangenen Jahr erschien.

Diese Woche haben Eshrat und Voit ihren Band „Nieder mit Hitler!“ an vier Schulen im Bergischen Land vorgestellt – auf Einladung von Ulrike Schrader und der Begegnungsstätte Alte Synagoge. Nach Schulen in Solingen und Remscheid war die Gesamtschule Barmen Station der Lesetournee. Zuhörer waren hier gut 100 Schüler der Klassen 10, die sich im Fach Gesellschaftslehre mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt haben. Moderatorin Schrader sprach vom „besonderen Glück“, dass mit Gerhard Laue ein Zeitzeuge anwesend war. Denn der 91-jährige Wuppertaler gehörte in den 40er Jahren zum Freundeskreis der Widerständler.

Die beiden Künstler wollten nicht bloß die Sprechblasen ihres Comics vorlesen. Die Bilder zeigten sie auf einer Leinwand, Einspieler lieferten die passenden Hintergrundgeräusche. Professionell wie Schauspieler trugen sie die Dialoge vor und gaben jeder Figur einen unverwechselbaren Sound. So hatte das Publikum trotz des ernsten Themas immer wieder Grund zum Schmunzeln.

Der Widerstand flog auf,
Laue kam aber wieder frei

Die Lesung konzentrierte sich auf die Figur Karl Metzner, dessen Leben durch zwei Diktaturen – Drittes Reich und DDR – geprägt wird. Im Buch ist es das Verhör durch einen Stasi-Mitarbeiter, das Karls „Räder der Erinnerung“ in Bewegung bringt und die Rückblenden ins Jahr 1943 motiviert.

Ohne den realen Karl Metzner gäbe es die Graphic Novel wohl nicht. Voit, Leiter der Erfurter NS-Gedenkstätte Andreasstraße, beschrieb ihn als äußerst zurückhaltenden Menschen. Dennoch habe er sich als Zeitzeuge zur Verfügung gestellt – erst für den Dokumentarfilm „Nieder mit Hitler!“, dann für das gleichnamige Buchprojekt. „Bevor Metzner starb, konnte Jochen ihm den Comic noch überreichen“, berichtete Eshrat. „Er hat sich gefreut und uns seinen Segen gegeben.“

Metzners Tischnachbar an der Erfurter Schule war Gerhard Laue. Im Gespräch mit den Zehntklässlern erklärte er die Entstehung der Widerstandsgruppe mit der deutschen Niederlage bei Stalingrad. Das habe viele am Sinn des Krieges zweifeln lassen. Er selbst habe damals angefangen, ausländische Sender zu hören, um „einen Kontrast“ zur Nazi-Propaganda zu haben.

Vorher, räumte Laue ein, hätten seine Freunde und er nie an Opposition gedacht. „Wir waren alle in der Hitlerjugend“, sagte er und blickte in die Runde. „Wir waren begeistert davon, und viele eurer Großeltern und Urgroßeltern waren das auch.“

„Warum waren Sie nicht in der Gruppe?“, wollte ein Schüler wissen. „Ich habe mit meinen Freunden sympathisiert“, entgegnete Laue. Er habe aber immer auch Angst gehabt, die Sache könne auffliegen. Was nach wenigen Wochen tatsächlich geschah. Die Widerständler wurden verraten und inhaftiert. Mitwisser Gerhard Laue kam wieder frei, musste aber die Schule verlassen.

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