Familie bleibt auf Schutt sitzen

Familie bleibt auf Schutt sitzen

Rund um die frühere Matthäuskirche sieht es nicht so aus wie geplant. Auch die Politik beschäftigt das.

Uellendahl. Malte Reiter und seine Frau Rosanna leben außergewöhnlich — in der ehemaligen Matthäuskirche der Gemeinde Uellendahl. Was sie noch stört, ist der Erdhaufen auf der Rückseite des Gebäudes. „Da soll eigentlich unser Garten sein“, sagt Reiter. Was bisher zu sehen ist, ist ein Lorbeer-Baum, der auf das Einpflanzen wartet. „Wir haben schon ein Angebot für den Garten, können aber nichts machen, solange der Schutthaufen da ist.“ Und wegbringen dürften sie ihn auch nicht - es sei ja nicht ihr Schutt, habe ihr Anwalt gesagt. Wem der gehört, ist nicht geklärt. Und so bleibt der Garten erst einmal so wie er ist — ein mehr als zwei Meter hoher Haufen.

Der Garten der Reiters ist aber nur ein Teil des Eindrucks des ehemaligen Gemeindegrundstücks. Und er stört nicht nur die Reiters. Auch Eva Rösener (CDU) hat den Zustand des Grundstücks im Auge. In der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg hat sie eine Anfrage gestellt, wie es mit dem Grundstück weitergeht. Sie stört, dass auch Jahre nach der Vorstellung der Pläne das Gelände nicht fertig ist. „Das ist doch ein sehr schönes Grundstück, das kann man nicht so verkommen lassen.“

Die Geschichte ist lang. Die Wohnform Gesellschaft für Planen und Bauen hat das Grundstück von der Gemeinde übernommen und 2014 eine Neukonzeption vorgelegt. Die steht noch auf der Homepage des Unternehmens und ist nach wie vor einsehbar. Die Firma wollte mehrere Wohnhäuser bauen, das Gemeindehaus umbauen, das Pfarrhaus erhalten.

Der Umbau der Kirche für die Reiters war Teil des Projekts. Das hat Reiter nach Streitigkeiten im Dezember 2015 selbst in die Hand genommen. Mit Verzögerung ist er 2016 eingezogen. Der zuständige Architekt Michael Bruins von Wohnform sagte der WZ damals, dass das der Umbau des Gemeindehauses im Mai beginnen sollte. Die Firma ist unter der angegebenen Telefonnummer nicht mehr zu erreichen.

Zwei Häuser sind fertig geworden. Eines schließt direkt an das ehemalige Gemeindehaus an. Ein neuer Besitzer hat das mittlerweile übernommen. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, sagt aber, dass er die Baugenehmigung im August oder September bekommen habe und mit den Arbeiten angefangen habe. Was man sieht, ist dass die Fassade entfernt worden ist. Während im Winter die Arbeiten außen stillgestanden hätten, sei im Inneren soweit möglich entkernt worden. Alles, was nicht in die Statik eingegriffen hätte, habe man entfernt, sagt er. In den kommenden Wochen will er mit den Arbeiten dann weitermachen und so schnell wie möglich fertig werden. Er nennt kein Datum für die Fertigstellung der geplanten Einfamilienhäuser.

Auch Malte Reiter macht unterdessen weiter. Im März oder April will er die Fassade des Glockenturms sanieren lassen. Damit die auch zum geplanten Gesamteindruck des Areals passe - und vor allem zu der Kirche, in der seine Frau und er leben und arbeiten. Das Kreuz auf dem Glockenturm ist derweil schon verschwunden. Dort lief Wasser in das Gebäude. Vorne wird bald alles in Ordnung sein. Hinten bleibt der Schutt liegen. Reiter hat Plissees angebracht, damit seine Kunden im Fotostudio den Haufen nicht sehen müssen.