Engelnburg: Kultur in der Ex-Kneipe

Engelnburg: Kultur in der Ex-Kneipe

In den Räumen der ehemaligen Gaststätte richtet die Choreographin Hanna Barczat ein Kreativ-Zentrum ein.

Ostersbaum. In ihren Bemühungen, Wuppertal um kunstvolle Inszenierungen zu bereichern, ist Hanna Barczat unermüdlich. Die von ihr initiierte Performance „Angels on the rock“ ist ein weiterer Beitrag. Diese Mixtur aus Musik, Gesang, Tanz und Rezitation feiert am morgigen Samstag, 8. Dezember, nicht einfach so Premiere. Mit diesen „Engeln auf dem Stein“ wird zugleich ein Ort eingeweiht, der sich zum Kunst- und Kulturzentrum entwickeln will: die Engelnburg.

„Der Zauber der fast mittelalterlich anmutenden ober- und unterirdischen Gewölbe ist die totale Inspiration: Energien, Kreativität und Kommunikation werden geweckt“, schwärmt die studierte Theaterwissenschaftlerin und Tänzerin. Und so kam der Choreographin die Idee zum Engel-Stück. Der Titel übrigens nimmt Bezug zum Namen des Aufführungsorts und verweist auf das musikalische Genre Rockmusik. „Außerdem sind viele Szenen so berührend, dass ich an Engel denken musste.“

„Verschiedene Kunstformen werden zusammengeführt“, versucht sie eine Beschreibung dessen, was junge Talente aus Afrika, Brasilien, Polen, der Ukraine und Deutschland zeigen. Dazu kommen von unterschiedliche Tanzstile und Interpretationen, von afrikanischen Rhythmen bis zu klassischen Liebesliedern reicht das Spektrum. Mit Josepha Biehl — sie wird beispielsweise singen —, Rapperin Maja Prill, Gitarrist Constatine Sommer, Stefan Dilgard, Violetta Eufemia Duda, Ann-Kathrin Erbs, Mercedes Hackelberg, Alan Anjuss Nonnig, Baye Soi, Annika Tahiri und Anna Wessel stehen engagierte Amateure zusammen mit versierten Profis auf der Bühne.

„Es werden verschiedene Facetten dargestellt. Es gibt Texte über das Leben und die Liebe, mit allen Hoffnungen und Enttäuschungen.“ Aber zu viel will die Choreographin nicht verraten — denn eine Performance lebe ja immer auch von der Überraschung. Und da ganz bewusst nicht alle Szenen bis in den letzten Atemzug durchchoreographiert sind, bleibt immer Platz für Improvisationen.

Lieber schwärmt sie von der Engelnburg, diesem „wunderbaren Ort“. Mehr als 100 Jahre lang wurde das im Jahr 1900 von Karl Erb erbaute Eck-Gebäude an der Deweerthstraße gastronomisch genutzt. Dann kam Thomas Gross. Der Unternehmer und Mäzen ließ sich von Hanna Barczat und Alan Anjuss Nonnig begeistern, ein Kunstkonzept zu unterstützen. „Jetzt entsteht etwas ganz Besonderes, nämlich das New International Artists Center“, begeistern sich alle Beteiligten.

Mit den „Angels on the rock“ soll ein erster Leckerbissen präsentiert werden. Dann stehen weitere Renovierungsarbeiten am Gebäude an und im Frühjahr des kommenden Jahres sollen die nächsten Kreativ-Projekte auf den Weg gebracht werden.

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