Die Gierigen fahren zur Hölle

Die Gierigen fahren zur Hölle

Eckhard Freise, Quiz-Millionär und Uni-Professor, hielt eine Bußpredigt über Geld und Besitz – und verlor dabei ein wenig den roten Faden.

Wuppertal. Nein, als Papst wollte er nicht vor das Publikum treten in diesen Tagen. Stattdessen entschied sich Wuppertals Mittelalter-Professor, Quizshow-Millionär und Satire-Freund Eckhard Freise bei seinem gestrigen Vortrag zum nahenden Semester-Ende für das Gewand eines protestantischen Pfarrers. "Geist und Geld" war sein Thema, "Wir brauchen keine Millionen", der Titel. Eine tröstliche Botschaft in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise und in einer Stadt, die tief in den Abgrund des Bankrotts schaut.

Hoffnungsvoll begab sich also eine gute Hundertschaft Zuhörer ins harte Hörsaal-Gestühl, um dem Fachmann zu lauschen. Ein paar gute Anlagetipps in der Krise zum Beispiel, oder auch nur ein paar Hinweise, wie man selbst in der Not zur Million kommt - so was in der Richtung hätte dem Publikum gut getan. Doch leider, leider, erwies sich Freise in dieser Hinsicht trotz seines Münsteraner Wohnsitzes als echter Wuppertaler: Anleitung zur Geldvermehrung hatte er nicht zu bieten.

Aus dem Gewitter von Power-Point-Folien, dass der Redner auf sein Auditorium hinabprasseln ließ - von Buchmalereien des Frühmittelalters bis zu Loriot-Skizzen und Filmszenen war nahezu die gesamte Kunstgeschichte vertreten - ließ sich zumindest eine Botschaft rekonstruieren: Die Geldgier ist vom Übel! Und sie führt in die Hölle! Das zumindest predigte die Kirche über Jahrhunderte hinweg. Gegen das, was sie alles in Wort und monströsem Bild auf Heuschrecken-Unternehmer herabbeschwor, nehmen sich heutige Inquisitoren (Lafontaine...) wie wohlmeindende Waisenknaben aus.

Immerhin konnten eventuell anwesende bergische Kommunalpolitiker an dieser Stelle aufatmen, haben sie sich doch übermäßige Geldanhäufung (Freise: "Geld vermehrt sich aus sich selbst - das ist wie die Jungfrauengeburt") keineswegs zuschulden kommen lassen. Vielmehr scheint sie in dieser protestantischen Region geleitet zu haben, was Freise gestern über Martin Luther enthüllte: "Der Name hieß ursprünglich ,Luder’, was Luthers Vater dann in eine vornehmere Form ändern ließ."

"Luderhaftigkeit" ist demzufolge sehr protestantisch, und Freises Kostüm eine sehr passende Wahl. Denn von seiner im Jahr 2000 gewonnenen Quiz-Million ist nichts übrig, sondern ins Eigenheim und ein paar Annehmlichkeiten geflossen - so der Redner kurz über seine eigenen Ausgabe-Praktiken. Am Ende blieben leere Taschen: etwas, was Freise mit vielen Millionären der jüngeren Zeit (Matthias Reim, Mike Tyson, Michael Jackson...) und eben den Stadtkämmerern der Region verbindet.

Aber - na und? Auch das ist eine Lektion dieser Bußpredigt, die mit einem Bild eines alternden Minnesängers im Bade, umrahmt von umsorgenden Schönheiten, schloss. Keith Richards ließ grüßen. Er lehrt uns: Geld haben mag schön sein - Geld ausgeben ist noch schöner. Amen.