Stadt Neuss soll Gaststätte kaufen

Stadt Neuss soll Gaststätte kaufen

Seit fünf Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen „Schwatte Päd“ leer. Das soll sich ändern.

Neuss. Der Unmut über den seit fünf Jahren andauernden Leerstand ist groß. So groß, dass die Politik für das denkmalgeschützte Gasthaus „Em Schwatte Päd“ nun eigene Pläne schmiedet. Im Beirat „Innenstadt“ zumindest waren sich alle einig: Man muss versuchen, das Gebäude in städtische Obhut zu bekommen. Dazu wollen CDU, SPD, Grüne und FDP einen interfraktionellen Antrag formulieren und an den städtischen Liegenschaftsausschuss richten. Ziel: Ankauf des „Schwatte Päd“.

Foto: Archiv

Seit 1992 ist das Lokal, das zu den ältesten Gasthäusern des Rheinlandes gehört, im Besitz einer Meerbuscher Familie. Die hat die Wirtschaft an die Brauereigruppe Inbev verpachtet, zu der auch die Issumer Diebelsbrauerei gehört. Doch das letzte Alt wurde in dem Haus beim „Tanz in den Mai“ 2012 gezapft, und der Pachtvertrag endet erst Ende 2020. Bis dahin ist den Eigentümern die Pacht sicher — und der Handlungsdruck gering. „Ich verstehe die Brauerei überhaupt nicht“, gibt Ingeborg Arndt (Grüne) zu, die in ihrer Fraktion für den Ankauf werben will. „Für das Haus könnte man sich allerhand anderes vorstellen“, sagt sie.

Foto: Archiv

Jörg Geerlings, CDU-Parteichef

Vor genau einem Jahr startete der CDU-Parteichef Jörg Geerlings gemeinsam mit dem Maklerbüro Linnerz und dem Unternehmensberater Eugen Friese den Versuch, den Laden mit neuem Konzept wieder zum Laufen zu bringen. Ohne Erfolg. Auch der Vorstoß von „Wunderbar“-Betreiber Werner Galka aus dem Herbst 2016 brachte am Ende keinen Erfolg — obwohl seine Forderung, Außengastronomie vor dem Lokal zu betreiben, zu erfüllen gewesen wäre. „Wir begrüßen jede Initiative“, sagt Geerlings inzwischen. „Die Neusser hängen an dem Haus“, weiß er aus vielen Gesprächen. „Wir versperren uns keine guten Idee“, ergänzt die CDU-Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann.

Michael Ziege (SPD) will vor allem, dass sich schnell etwas tut. „Muss man bis 2020 warten?“, fragt der Stadtverordnete. Für ihn ist klar: „Man muss aus dem Pachtvertrag mit der Brauerei heraus.“ Seine Idee für das Haus? Stadtmarketing und die städtische Denkmalpflege könnten dort ihre Büros bekommen, nennt er Ansatzpunkte, um das haus neu zu beleben. Gastronomie, das zeige die Erfahrung, sei ohnehin nur noch im Erdgeschoss wirtschaftlich darstellbar.

Das Thema „Schwatte Päd“ hatte der ZIN-Vorsitzende Christoph Napp-Saarbourg mit einem Katalog in Gang gebracht, in dem die Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) Missstände aber auch Ideen zusammengetragen hatte. Dabei ging es um die — schon beschlossene — Inszenierung der historischen Stadtmauer durch ein neues Lichtkonzept aber auch die Aufwertung von historischer Bausubstanz. So beklagt ZIN, dass die Beleuchtung des Sebastianusklosters schadhaft ist.

In dem Katalog hat der Verein der Innenstadtakteure auch Ideenneu aufgelistet, die schon einmal diskutiert wurden. Beispiel Wendersplatz: Über ihn soll ein direkterer Zugang zum Rennbahnpark geführt werden. Der Beirat sprach sich dafür aus, dass die Stadt dazu mit der Stadthafen GmbH Gespräche aufnimmt. Beispiel Passagierschifffahrt: Das Hafenbecken I soll so aufgerüstet werden, dass dort Ausflugsdampfer festmachen können. Wünschenswert, so regte die FDP an, sei auch ein Wassertaxi, das zwischen Neuss, der Düsseldorfer Altstadt und der Messe verkehrt.

Auch diese Idee soll in den zuständigen Gremien weiterverfolgt werden. Dass das Ensemble des landestheaters leere Schaufenster „bespielen“ und Aktionen in der Innenstadt starten will, wurde von dem Beirat begrüßt, der sich auch der Forderung anschloss, den Rennbahnpark besser zu nutzen und direkter an die City anzubinden. Damit wird sich die AG Sportentwicklung beschäftigen.