Neuss: Mehr Einbrecher unterwegs

Neuss: Mehr Einbrecher unterwegs

Kriminalität: Die Polizei hat die Statistik für 2009 vorgestellt. Die Aufklärungsquote liegt knapp unter dem Landesdurchschnitt.

Neuss. Schubladen aufgerissen, Schmuck weg, Geld gestohlen - viele Einbruchsopfer stehen unter Schock, erholen sich von den seelischen Folgen oft schwer, manche geben sogar ihre Wohnung oder ihr Haus auf. Und die Einbrecher schlagen immer öfter zu, wie die Polizei gestern bei der Präsentation der amtlichen Kriminalitätsstatistik für 2009 konstatierte.

Die Kreispolizei hatte im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun: 29 551 Verbrechen wurden 2009 angezeigt. Das sind 503 Straftaten mehr als im Vorjahr. Rund die Hälfte konnten die Fahnder aufklären (49,1 Prozent). Die Quote liegt dabei knapp unter dem Landesdurchschnitt (50,8 Prozent).

Der Anstieg in der Statistik geht vor allem auf das Konto der Einbrecher: Schon 2008 war die Zahl der Einbrüche angestiegen, 2009 ist sie erneut um 200 Taten (23,5 Prozent) nach oben geschnellt. Die Polizei zählte 1052 Wohnungseinbrüche, bei 36 Prozent blieb es beim Versuch.

Nur zirka 13 Prozent konnten aufgeklärt werden. In der Regel gehen 80 Prozent der Fälle auf das Konto von Gelegenheitsdieben. Sie suchen sich bevorzugt Häuser und Wohnungen aus, die nicht gut gesichert sind und bei denen gute Fluchtmöglichkeiten bestehen. "Besonders gefährdet sind Häuser mit Garten und Wohnungen im Erdgeschoss", weiß der leitende Polizeidirektor Detlef Gernandt.

"Man kann sich gegen Kriminalität schützen. Prävention ist wichtig, einfache Vorsorgemaßnahmen können Dieben die Arbeit erschweren", erklärt Gernandt und weist erneut auf die kostenfreie Beratung der Polizei über Alarmanlagen, Schlösser oder sichere Fenster hin.

In Meerbusch etwa wurden 42 Einbrüche mehr als im Vorjahr verzeichnet. Der Verdacht liegt nahe, dass es dort auch etwas zu holen gibt, kommentierte der Polizeidirektor. Mehrere Einbrüche in Schulen, die es in jüngster Zeit gegeben hätte, passten da allerdings nicht ins Bild.

Auch für Betrüger ist der Rhein-Kreis Neuss ein beliebtes Pflaster. Die Zahl der Delikte ist im Vergleich zum Vorjahr um 688 Fälle (plus 17,7 Prozent) angestiegen. 4575 Straftaten wurden registriert.

Erfreulich: Bei der Straßenkriminalität verzeichneten die Verantwortlichen der Polizei einen Rückgang um 91 Fälle auf 9498 Delikte. Ein weiterer Erfolg: Die Zahl der Autoaufbrüche ist deutlich um 93 Fälle auf 1986 zurückgegangen. Während Gewaltverbrechen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub und Körperverletzungen "nur" um 0,3 Prozent auf 940 Taten anstiegen, nahmen die Rauschgiftdelikte massiv zu (1177 statt 1061).

Ein spektakulärer Fall: Im Januar 2009 flog in Gustorf die im Rhein-Kreis Neuss bis dahin wohl größte Cannabisplantage mit mehr als 1200 Pflanzen auf. "Ein Täter ist bereits verurteilt, sein Komplize noch flüchtig", berichtet Kriminaldirektor Hans-Werner Winkelmann. Streitigkeiten in Zusammenhang mit einem Rauschgiftgeschäft führten zum Tod eines 23-Jährigen in Horrem, der niedergestochen wurde.

Der Täter sitzt im Gefängnis. Ein weiterer ungewöhnlicher Fall: Ein Mann hatte nach einem Trinkgelage in Neuss einem Bekannten (48) die Hoden abgerissen und aus dem Fenster geworfen. Der Täter (45) wird vermutlich den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verbringen.

Bei den so genannten Schrottfrisierungen, bei denen geklaute Motorroller getunt und dann unter Preis im Internet angeboten werden, gingen jugendliche Täter der Polizei ins Netz. Ihnen wird bandenmäßige Hehlerei in mindestens 21 Fällen vorgeworfen.

Etwa 29 Prozent der Tatverdächtigen insgesamt sind 21 Jahre und jünger. Die Zahl der Mehrfachtäter sei aber rückläufig (307 auf 237). "Wir sind auf einem ganz guten Weg", sagt Winkelmann. Das Intensivtäterkonzept, das junge Straftäter im Visier hat und unter anderem Hausbesuche vorsieht, habe sich bewährt.

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