Historische Stadtmauer wird saniert

An zehn Abschnitten in Neuss ist die Mauer noch erhalten. Die Sanierung beginnt am Gymnasium Marienberg. Kosten: 125 000 Euro.

Neuss. Die Stadt nimmt ihre Stadtmauer in den Blick und saniert zuerst den Abschnitt an der Batteriestraße in Höhe des Gymnasiums Marienberg. Endlich, werden viele sagen, die sich dort vor allem am Anblick der hölzernen Stützbalken stoßen. Gerade noch rechtzeitig, sagt Gerd Eckers vom Tiefbaumanagement der Stadt. Er weiß seit zwei Jahren, dass die Stützwand „gerade noch standsicher“ ist und will ihr nun den Erddruck nehmen, der von der Stadtseite her auf dem Gemäuer lastet und es schon vor Jahrzehnten umzustürzen drohte. Im Oktober soll die Sanierung abgeschlossen sein. Kosten: 125 000 Euro.

Historische Stadtmauer wird saniert
Foto: Woitschützke

Die Absicherung eines 30 Meter langen Mauerstücks würde andernorts kaum jemand hinter dem Ofen hervorlocken. Nicht so in Neuss und schon gar nicht, wenn die Archäologen ausrücken. Sie haben noch nie nichts gefunden, wenn im mittelalterlichen Ortskern gegraben wurde. Nun legte Stadtarchäologin Sabine Sauer eine Mauer frei, an der die unterschiedlichen Bau- und Reparaturphasen vom zwölften Jahrhundert bis in die 1960er Jahre abzulesen sind.

Hinzu kommt, dass bei solchen Innenstadtbaustellen Vieles mit Vielem zusammenhängt. Für Planungsdezernent Christoph Hölters sind das drei wesentliche Projekte: Erstens: Die Aufwertung der Mauer, von der zehn Abschnitte noch erhalten sind. „Diese sind identitätsstiftend — und das wollen wir würdigen.“ Nach der Mauer an der Batteriestraße wird in einem zweiten Schritt das gut erhaltene Stück der Wehranlage am Burggraben wiederhergestellt und mit Licht neu in Szene gesetzt. Zweitens ist die Stadtmauer am Marienberg ein Element aus dem Sanierungsprojekt östlicher Innenstadtrand. Drittens — und das weist deutlich nach vorne — eröffnet die Entfernung der seit 1990 im Weg stehenden Stützbalken die Möglichkeit, die Batteriestraße umzubauen. Pläne für einen neuen Straßenquerschnitt gibt es noch nicht, doch ein „Gewinner“ sollen die Radfahrer sein.

Was die Balken bislang stützten, ist eine Feldbrandmauer, die im 17. Jahrhundert, als die Rheinfront zur Batteriestellung ausgebaut wurde, zuletzt erneuert wurde. Sie ruht auf Fundamenten, die bei Suchgrabungen vom Niveau der Batteriestraße aus gemessen drei Meter tief ins Erdreich verfolgt wurden — ohne dass die Unterkante erreicht wurde. Dieses Fundament, Teile der Mauer unterhalb des Klosters Marienberg und ein Mauerstück im nördlichen Abschnitt stammen aus dem zwölften Jahrhundert, als die Stadtbefestigung entstand. Das dazwischen liegende Stück wurde deutlich verändert. So wurde 1716 ein Turm für ein Gebäude abgebrochen, das bis in die 60er Jahre als Lehrerwohnung diente. Und nördlich anschließend wurden von der Rückseite der Mauer aus Balkenlöcher geschlagen, die ab 1899 ein Gebäude trugen, das als Bewahrschule diente. „Heute“, so Hölters, würde man OGS sagen.“

Bevor Mauerwerk und Fugen erneuert und die Mauerkrone neu befestigt wird, wird auf der der Stadt zugewandten Seite ein Graben ausgehoben und mit einer Masse verfüllt, die die Mauer statisch sichert.

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