Grenzsteine führen zurück in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs

Grenzsteine führen zurück in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs

Auf dem Kinderbauernhof fand Johannes Schmitz auffällige Steine.

Selikum. Auf den ersten Blick unscheinbar, liegen die massiven Steine da. Johannes Schmitz, Historiker, CDU-Stadtverordneter und Mitglied im Kulturausschuss, hat gleich auf den ersten Blick erkannt: Sie sind etwas Besonderes. „Das sind vier alte Grenzsteine“, sagt er. Die zwischen 50 und 80 Zentimeter langen und etwa 20 bis 30 Zentimeter breiten Stücke haben in den vergangenen Jahrhunderten Ackerflurgrenzen in Neuss markiert. Schmitz hat die Grenzsteine beim Spaziergang auf dem Kinderbauernhof entdeckt, dort standen sie viele Jahre unbemerkt. Drei der Steine konnte Schmitz zuordnen, beim vierten jedoch wartet Arbeit. Denn auf diesem vierten Stein ist ein Wappen zu sehen. „Ich gehe davon aus, dass es auf einen adeligen Grundbesitzer vom Niederrhein verweist“, so Schmitz.

Die Frage ist nur, welcher adelige Grundbesitzer sich dahinter verbirgt. Über dem Wappen eingelassen ist offenbar die Jahreszahl 1618. Johannes Schmitz hat bei seinen Nachforschungen eine Zeitreise vor sich, die gut 400 Jahre zurück in eine Epoche der Umwälzungen führt. 1618, das ist auch das Jahr, in dem der Dreißigjährige Krieg beginnt. In Neuss ist es das Jahrhundert, das gefühlt schon 1585 mit dem Truchsessischen Krieg begann und in die Hessen- und Franzosenzeit mündet. Alte Ackerflurgrenzen hatten in diesen stürmischen Zeiten nicht unbedingt Bestand.

Auf schriftliche Überlieferungen und den Vermerk von Wappen adeliger Grundbesitzer will Schmitz daher seinen Fokus legen. Und da die Arbeit von Historikern und Archäologen selten so spektakulär ist wie bei Indiana Jones, heißt das: Bücher wälzen.

Schmitz weiß, dass einiges an Arbeit auf ihn zukommt — und möchte so schnell wie möglich Ergebnisse vorlegen können. Denn die Grenzsteine sollen in Abstimmung mit dem Grünflächenamt noch in diesem Jahr mit Informationstafeln versehen und aufgestellt werden. Die Suche nach einem geeigneten Ort läuft — wahrscheinlich werden die Grenzsteine am Kinderbauernhof aufgestellt.

Die Herkunft der übrigen Steine ist bereits geklärt. Auf einem Stein sind beispielsweise neun Kugeln zu sehen — er kann daher dem Quirinusstift zugeordnet werden. In den Besitz der Stadt kamen die Grenzsteine einst auf Initiative von Max Tauch, ehemaliger Leiter des Clemens-Sels-Museums.

Auf dem Kinderbauernhof gerieten sie allerdings im Laufe der Jahre aus dem Blick. Als Schmitz kurz vor Weihnachten mit seiner Familie während eines Spaziergangs dort vorbeischaute, holte er sie aus der Vergessenheit und setzt sich nun dafür ein, dass sie nicht wieder aus dem Fokus rücken. Auch deshalb sollen Tafeln den Bürgern die Bedeutung der Steine erklären — sobald die Herkunft des rätselhaften Steins Nummer vier geklärt ist.

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