40 Jahre: Erfttal feiert sich selbst

40 Jahre: Erfttal feiert sich selbst

Der Stadtteil kämpft gegen sein Image. Zum runden Geburtstag gibt es ein Picknick.

Neuss. Ein Stadtteil feiert Geburtstag: Vor 40 Jahren entstanden auf dem Derikumer Hof zwei Hochhäuser. Eine Wohnform, die Erfttal rasch den Ruf des Problemviertels einbrachte. Doch davon wollen die etwa 5100 Anwohner heute nichts wissen. Mit einer rund 50 Meter langen Picknick-Tafel und einem fünfstündigen Bühnenprogramm feiern sie auf der Bedburger Straße ihr Jubiläum.

„Wir wollen das Netzwerk Erfttal und die Gemeindearbeit feiern, die in Neuss einzigartig sind“, sagt Paul Petersen, Leiter des Bürgerhauses. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Bewohnern, Kirchengemeinden, Einrichtungen, Vereinen, Kitas und Schule. Sie machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklung ihres Stadtteils positiv zu beeinflussen — und haben damit bis heute viel zu tun.

Vor zehn Jahren befasste sich erstmals eine Zukunftswerkstatt damit, die Probleme wie sanierungsbedürftige Hochhausbauten und zunehmende Kriminalität zu lösen. Dafür entwarfen 140 Köpfe — Bewohner, Verwaltungsmitglieder und externe Experten — ein Handlungskonzept.

„Seitdem haben wir zwei Streetworker, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt stehen. Sie sind allgemein akzeptiert“, sagt Petersen. Zudem verbesserte das Bürgerhaus, eine Initiative des Sozialdienstes Katholischer Männer, sein Angebot für Migranten. Es werden unter anderem Sprachkurse mit Kita-Betreuung angeboten und berufliche Perspektiven für allein erziehende Frauen erarbeitet.

Augenscheinlich die größte Veränderung bewirkte jedoch der Neusser Bauverein: An der Harffer Straße wurden mehr als 40 Hochhäuser abgerissen und 19 neue Reihenhäuser gebaut. Der Wohnungsbestand an der Euskirchener Straße 2 bis 12 wurde saniert und privatisiert.

Bis zur Nummer 40 mussten mehr als 200 alte Wohnungen 108 neuen Einheiten weichen. „Die Bausünden der Vergangenheit haben wir korrigiert“, sagt Bauverein-Chef Frank Lubig. „Nun bauen wir noch 19 Reihenhäuser, die nächstes Jahr fertig sein sollen.“ Kaufpreis 220 000 Euro.

„Der Bauverein macht das vorbildlich und spricht extra keine Problemmieter an“, sagt Petersen. Der Grund: Am Ende der Euskirchener Straße gibt es genug davon. Die Wohnungen der WVB Centuria mit Sitz in Düsseldorf sind sanierungsbedürftig, die Außenanlagen heruntergekommen, Fahrstühle kaputt.

„Die Vermietergesellschaft nimmt jeden Mieter, den sie kriegen kann“, erklärt Petersen. Die Folgen seien Umzüge, Unzufriedenheit und Vandalismus. Das wirke sich auch auf den Einzelhandel aus.

„In Erfttal gibt es keinen Metzger, Schreibwarenladen und Blumenhandel mehr. Die Reinigung hat geschlossen“, sagt Petersen. „Dabei stimmt die Kaufkraft. Wir müssen an dem Negativimage weiter intensiv arbeiten. Aus anderen Stadtteilen kommt bislang niemand zu uns.“