Der Streik verändert die Stadt

Der Streik verändert die Stadt

In den Läden fehlten gestern Kunden, vor Schulen kreisten Mama-Taxis und rund 650 Demonstranten zogen durch die Straßen.

Gestern Morgen war die Gladbacher Innenstadt so leer wie sonst nur an Sonntagen: Der Europaplatz wirkte wie ausgestorben. Kein Bus bewegte sich die Hindenburgstraße bergauf. Die Folgen des Warnstreiks bekamen vor allem Geschäfte und Lokale zu spüren, die an der oberen Hindenburgstraße liegen. Ältere Kunden, die auf den Bus angewiesen sind, weil sie die rund sechsprozentige Steigung der Straße scheuen, verzichteten auf Einkäufe. „Wir haben das sofort gemerkt. Für uns ist es ganz furchtbar, wenn die Busse nicht fahren“, sagte Sinn-Leffers-Geschäftsführer Frank Geyer.

Während die Gladbacher Haupteinkaufsmeile nahezu abgasfrei blieb, gab es vor einigen Schulen richtige Staus. Denn gestern waren ungewöhnlich viele Mama-Taxis unterwegs. Schließlich fuhren auch keine Schulbusse. Während der Unterricht in den Schulen normal lief, allenfalls mit weniger Schülern, blieben sechs Kindergärten komplett geschlossen, in weiteren Kitas beteiligten sich die Erzieherinnen zumindest teilweise am Ausstand, so dass Notgruppen gebildet werden mussten. Auch alle Bäder hatten zu. „Es tut uns leid, dass es die Bürger trifft. Aber wir wollen für die Verhandlungen ein klares Zeichen setzen“, sagte Dominik Kofend, Bezirksgeschäftsführer Verdi Linker Niederrhein. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um sechs Prozent, mindestens aber um 200 Euro sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. Zum Vergleich: Stadtkämmerer Bernd Kuckels geht im Haushaltsplan für dieses Jahr von einer Gehaltssteigerung von zwei Prozent aus.

Rund 650 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes hatten sich gestern gegen den Gang zum Arbeitsplatz und für den friedlichen Streikzug durch die Gladbacher Innenstadt entschieden. Mit Fahnen, roten Schals und Trillerpfeifen zogen sie zum Alten Markt, wo Verdi eine Kundgebung veranstaltete. „Mit der Spätschicht wird die Zahl der Streikenden wachsen“, kündigte Kofent an. Rund die Hälfte der Streikenden kam von der Stadtverwaltung. Am Gymnasium Gartenstraße in Rheydt lief der Schulbetrieb wie üblich — nur eben ohne Hausmeister. Ulrich Schmitz war mit anderen Hausmeistern zum Alten Markt gekommen. „Ich bin Mädchen für alles. Es wird ohne mich an der Schule schon etwas drunter und drüber gehen“, sagte Schmitz. „Schon alleine in puncto Sauberkeit auf dem Schulgelände macht es sich sofort bemerkbar, wenn der Hausmeister fehlt.“ Zumal bis auf nur wenige Ausnahmen offenbar Kinder und Jugendliche auch zur Schule kamen, obwohl die Schulbusse nicht fuhren und es leichten Schneefall gab. „Es gab ein paar Verspätungen. Der Schulbetrieb lief normal“, sagte Clemens Braun von der Gesamtschule Hardt. Und auch in den Kindergärten gab es keine großen Proteste von Eltern.

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