Mönchengladbach: Brigitte Behrendts Kampf um den Sonntag in Bibliotheken.

Neues Bibliotheken-Gesetz in NRW : Kämpferin für den offenen Lese-Sonntag

Dass die Bibliotheken im Land bald an allen Tagen öffnen dürfen, hat auch mit Brigitte Behrendt aus Mönchengladbach zu tun.

Seit acht Jahren kämpft Brigitte Behrendt für ihren Sonntag. Nicht etwa um ihr Recht auf Freizeit. Sondern um das Recht, ihre Bibliothek mit Fachpersonal zu öffnen. Am Mittwoch wurde ihr Ansinnen erhört. Der Nordrhein-westfälische Landtag verabschiedete einstimmig ein entsprechendes Gesetz. Künftig dürfen öffentliche Bibliotheken im Land auch an Sonn- und Feiertagen öffnen.

„Wir freuen uns über das Gesetz und sind stolz, ein ganz kleines bisschen auch mit dafür verantwortlich zu sein“, sagt Behrendt. Die Leiterin der Stadtbibliothek Mönchengladbach war am Gesetzgebungsprozess indirekt beteiligt, verfasste eine Stellungsnahme zum Gesetzesentwurf der CDU- und FDP-Fraktion. Denn Mönchengladbach ist Vorreiter. Seit 2011 öffnet Sonntag für Sonntag die Stadtteilbibliothek in Rheydt.

Am Anfang war das Konzept „Soziale Stadt Rheydt“. Im Stadtteil mit seiner hohen Fluktuation fehlten öffentliche Räume. Vor allem solche, die nicht kommerziell waren. Die Stadtteilbibliothek sollte ein Treffpunkt werden, auch am Sonntag. Doch die Mitarbeiter der Stadt durften an diesem Tag nicht eingesetzt werden. Das bestimmt das Bundesarbeitszeitgesetz. Aus den Projektmitteln wurden externe Mitarbeiter bezahlt. Die konnten zwar weder Bücher verleihen noch fachliche Hilfe bieten. Aber immerhin: Die Bibliothek konnte legal öffnen.

Und die Idee kommt an. 2014, drei Jahre nach Konzeptbeginn, engagierte die Bibliothek die Technische Hochschule Köln für eine Kundenbefragung. „Das Ergebnis war ein klares ‚Ja’ zur Öffnung“, sagt Behrendt. Es kommen Berufstätige, Familien. „Es kommen aber auch sehr viele junge Menschen, ganz besonders mit Migrationshintergrund. Hier zeigt sich die hohe integrative Leistung und präventive Funktion“, sagt Brigitte Behrendt. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, nur am Sonntag Zeit für den Bibliotheksbesuch zu haben. Die positiven Rückmeldungen und die Evaluations-Gesamtnote 1,5 bekräftigten das gute Gefühl der Projektverantwortlichen. Und den Wunsch, die Idee fortzuführen.

Die Stadt Mönchengladbach folgt diesem Wunsch. Seit 2016 wird die Sonntagsöffnung mit festen Haushaltsmitteln weitergeführt. Behrendt hatte nachgewiesen, dass ihr Ansatz funktioniert. „Die Bibliothek ist Treffpunkt und Lernort. Vor allem am Sonntag“, sagt sie. „Die Ausleihe ist nicht mehr das Kerngeschäft.“ Doch auch, wenn viele Kunden schon mit dem Notbetrieb am Sonntag zufrieden waren. „Auf Dauer ist das keine gute Lösung“, sagt sie. „Wir vermitteln Informationen, analog und digital. Im Zeitalter von ‚Fake News’ ist das eine ganz wichtige Aufgabe.“ Da sei es wichtig, dass es bibliothekarische Betreuung gibt. Dass jemand inhaltliche Fragen beantworten kann und Medienkompetenzen vermittelt. Auch am Sonntag.

Daher sei der neue Gesetzesentwurf so bedeutend. „Es ist schön, dass NRW hier Vorreiter ist“, sagt Behrendt. Was sich nun in Mönchengladbach ändert, steht allerdings noch nicht fest. Behrendt hofft, dass das Gesetz bis Jahresende in Kraft tritt. Dann werde sich die Stadt neu aufstellen. Sicher scheint, dass die Sonntagsöffnung auch in der Zentralbibliothek in Mönchengladbach erprobt werden soll. „Ansonsten werden wir uns beraten, was sinnvoll ist“, sagt Behrendt. Alles sei eine Frage der Rahmenbedingungen. „Natürlich wird es Arbeitnehmer geben, die sich darüber nicht freuen“, sagt sie. Es gebe aber auch viele junge Mitarbeiter, die schon die ruhigere Atmosphäre am Samstag zu schätzen wüssten.

Bei aller Freude über den Gesetzesentwurf. Am Ziel sind sie in Mönchengladbach noch nicht. Das Bundesarbeitszeitgesetz müsse geändert werden, fordert Behrendt. Erst dann seien öffentliche Bibliotheken mit Museen, Theatern und wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken gleichgestellt. Erst dann dürfen alle Bibliotheken in Deutschland am Sonntag öffnen. „Das muss nicht überall Sinn machen. Es geht um die Möglichkeit“, sagt Behrendt. Bis das erreicht ist, wird sie weiter von ihren hervorragenden Erfahrungen in Rheydt berichten. Denn auch wenn ein Etappensieg eingefahren wurde. Der Kampf um den Sonntag geht weiter.